Durch politische Engagements kommen Pfarrer direkt in Berührung mit den Bedürfnissen der Gesellschaft. Gerade hat die SP den evangelischen Pfarrer Andreas Gäumann fürs Stadtpräsidium in Steckborn TG nominiert. In Wettingen AG hatte die EVP den reformierten Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht für den Gemeinderat portiert.





Der reformierte Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht. (Bild zVg)
 
 

Pfarrer ist auch Politiker

Gesellschaftliches Engagement der Würdenträger

«Der Moment stimmt einfach», sagt Pfarrer Andreas Gäumann auf die Frage, warum er kandidiere zur «Thurgauer Zeitung». Er lebt seit elf Jahren in Steckborn, wird dieses Jahr 50 und seine beiden Söhne sind bald aus dem Haus. Gäumann ist es wichtig, dass der Kurs seines Vorgängers «des guten Miteinanders» beibehalten wird: «Ich habe mir überlegt, welchen Beitrag ich leisten kann, um diesen Kurs fortzuführen.» Zudem reize ihn nach 19 Jahren als evangelischer Pfarrer eine neue Herausforderung. Sollte Gäumann die Wahl gewinnen, wäre er nicht der erste Pfarrer im Kanton, der diesen Sprung schafft. Auch Anders Stokholm, Stadtpräsident von Frauenfeld, arbeitete einst als Pfarrer. «Ich habe mich nicht an Stokholm orientiert», sagt Gäumann und schmunzelt wieder. Und er sei gerne Pfarrer. Sollte es mit der Wahl nicht klappen, würde er gerne weiterhin als Pfarrer arbeiten.

 

Bevor Gäumann die Stelle als evangelischer Pfarrer in Steckborn antrat, absolvierte er berufsbegleitend ein Nachdiplomstudium «Wirtschaft». Seit zehn Jahren ist er Spitex-Präsident und seit 2010 präsidiert er die Geschäftsprüfungskommission der Synode, des evangelischen Kirchenparlaments des Kantons Thurgau. Gäumann ist seit vielen Jahren SP-Mitglied und ordnet sich dem liberalen Flügel zu. Was Gäumann als neuer Stadtpräsident vorantreiben würde, wäre die Kommunikation zwischen der Stadtverwaltung und der Bevölkerung. «Es ginge mir darum, aufzuzeigen, mit welchen Themen sich die Stadt aktuell befasst», sagt er.

 

Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht sagte zu seiner Motivation befragt zur Zeitung «Limmatwelle»: «Mir geht’s nicht darum, als Gemeinderat die Kirche zu vertreten.» Es sei die Freude am Politisieren, die ihn dazu bewogen habe, als Gemeinderat zu kandidieren. Seit März 2016 amtet er als Einwohnerrat und möchte nun von der Legislative in die Exekutive wechseln. «Ich möchte gerne mitgestalten, und das ist als Gemeinderat intensiver möglich.» In der Wahl schaffte er zwar das absolute mehr nicht, wurde aber mit einer guten Stimmenzahl wieder in den Einwohnerrat gewählt. 

 

Aufgewachsen in einer politisch engagierten Familie, hat sich der 49-Jährige bereits in seiner Heimat Deutschland politisch engagiert. Vor über 18 Jahren zog er in die Schweiz und trat der evangelischen Volkspartei bei, als er vor neun Jahren als reformierter Pfarrer nach Wettingen zog. «Weil der Mensch und die christlichen Werte in dieser Partei im Mittelpunkt stehen», begründet Fischer-Lamprecht. Er sieht sich als Politiker der Mitte, «zwar mit Fokus fürs Menschliche und Soziale, aber trotzdem konservativ.» Wobei sich das Konservative vor allem auf die Werte beziehe. Fischer-Lamprecht ist überzeugt, dass seine Sichtweise, mit Nächstenliebe an ein Problem heranzugehen, in der Politik etwas bewegen kann. Der Theologe hatte auch eine Ausbildung in Betriebswirtschaft und Versicherungswesen absolviert. 

 

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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