Zum zweiten Mal vergaben Zürcher Kirchen am Zurich Film Festival (ZFF) einen ökumenischen Filmpreis. Er ging an den österreichischen Dokumentarfilm «Welcome to Sodom» von Florian Weigensamer und Christian Krönes. Die fünfköpfige kirchliche Jury zeichnet damit einen Film aus der Wettbewerbsreihe ‹Fokus: Schweiz, Deutschland, Österreich’ aus. Das Preisgeld beträgt 5000 Franken.





Bild www.welcome-to-sodom.de
 
 

Film & Religion vermitteln Unaussprechliches

Filmpreis der Zürcher Kirchen an «Welcome to Sodom»

Warum verleihen die Zürcher Kirchen im Rahmen des Zurich Film Festival einen Preis?», fragte der «Blick am Abend» Jurymitglied Andrea Marco Bianca, Pfarrer in Küsnacht ZH und reformierte Kirchenrat. Seine Antwort: «Das Kino bewegt die Menschen mit Bildern, die berühren. Oft nachhaltiger als eine Predigt. Darum macht es Sinn, einen Film, der dabei auch christliche Werte anspricht, zu prämieren.» Für Kirche und Kino gilt: «Träume halten die Hoffnung und die Liebe am Leben.»

 

«Das dokumentarische Porträt der grössten Elektro-Müllhalde der Welt und ihrer Bewohner überzeugt mit seiner visuellen Wucht», begründet Jurypräsidentin Lucie Bader die Wahl von «Welcome to Sodom». Durch die emotionale Dichte der filmischen Erzählung stelle sich dem Publikum unmittelbar die Frage nach der persönlichen Verantwortung für die Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung. Jurymitglied Zeno Cavigelli, katholischer Theologe und Synodalrat, «hängt der Gestank in Sodom bis heute in meiner Nase.» Aber der Film zeige nicht nur Müll, sondern Menschen, die auf apokalyptischem Boden leben. 

 

An der Preisverleihung erklärte die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr: «Filme sind Kunst. Und damit sind Filme im Sinne Goethes solche Vermittlerinnen des Unaussprechlichen. Filme bringen neue Sicht- und Denkweisen ins Spiel. Sie eröffnen uns ungewohnte Perspektiven auf unseren Alltag.» Damit machen Filme uns ein Geschenk: «Sie schenken uns die Freiheit, über das Gewohnte und Selbstverständliche hinaus zu denken und neue Welten und Ordnungen zu entwerfen.»

 

Die offenen und demokratischen Religionsgemeinschaften im Kanton Zürich hätten einen ähnlichen Anspruch, sagt Jacqueline Fehr weiter: Auch sie wollen das Unaussprechliche vermitteln. Und so sei es durchaus stimmig, dass die beiden Landeskirchen den Filmpreis vergeben. In ihren Bildern und Erzählungen vermitteln Filme genauso wie religiöse Erzählungen menschliche Erfahrungen. Über Kulturen und Zeiten hinweg zeigen sie uns die grossen Themen der Menschheit. Konfrontieren uns mit Sehnsüchten, Hoffnungen, Ängsten und Träumen. 


Als «Religionsministerin» erlebt Jacqueline Fehr, dass auch die beiden Landeskirchen die Herausforderung spüren und sich diesen stellen wollen: «Sie bringen sich in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion ein. Sie sind aktiv im interreligiösen Dialog. Sie übernehmen Verantwortung als ‚die grossen Kirchen’.» Daher erweiterte sie das Zitat von Goethes: «Die Kunst und die Religion sind eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.»

 

Herzlich, Markus Baumgartner

 

P.S. Zur Erinnerung: Heute findet um 19.30 Uhr die Vernissage zum neuen Praxisbuch «So machen Kirchen Schlagzeilen» an der Badenerstrasse 144 in Zürich statt (siehe Beilage).

 
 
 
 
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