Die Rimuss- und Weinkellerei Rahm ist nach 72 Jahren im Besitz der Familie am Ende. Die Traditionsfirma wurde Opfer eines Betrugs. Patron Robert Rahm (79) bleibt auch in der Krise seiner christlichen Gesinnung treu: Dem betrügerischen Finanzchef hat er bereits vergeben.




 
 

Vergeben trotz Versagen

Rimuss-Unternehmer übergibt Lebenswerk

«Zum Fest gehört Rimuss» oder «Mit Rimuss stossed alli aa!» sind die berühmten Werbeslogans des Traubensafts aus dem Kanton Schaffhausen. Für viele sind damit schöne Kindheitserinnerungen verbunden: An Weihnachten, Silvester oder an Geburtstagen dürfen die Kinder mit einem Sektglas Rimuss anstossen. Kein Wunder kennt in der Schweiz jedes Kind den alkoholfreien Traubensaft mit Kohlensäure. «Feierwasser» nennt ein aktueller Artikel in der «Coopzeitung» den in der ganzen Schweiz bekannten Rimuss.
 
Nun hatte der Finanzchef eine Millionensumme unterschlagen und in das Frauenfussballteam des lokalen FC Neunkirch gesteckt. Der Klub des 2000-Einwohner-Dorfs schaffte es bis in die Champions League, doch bei Rimuss ist der Saft draussen. Die Veruntreuung ist das Ende der Ära Rahm. Im Frühling zeigte sich der Finanzchef selber an. Das 1945 gegründete Traditionsunternehmen muss verkauft werden. Als Retter springt der Bündner Weinproduzent Andrea Davaz (52) ein, der in den 1980-er Jahren selber mal als Lehrling und für kurze Zeit auch als Betriebsleiter bei Rimuss gearbeitet hatte
 
Firmen-Mitinhaber Robert Rahm (79) trägt den Zwangsverkauf mit Grösse. «Mir ist lieber, wenn ich ein bisschen ärmer sterbe. Dafür behalten die Arbeiter ihren Job und die Winzer ihren Abnehmer. Die Lösung mit Davaz ist für uns ein Sechser im Lotto», sagt er zur Zeitung «Blick». Gegenüber dem ehemaligen Finanzchef hegt er keinen Groll. Mehr noch: «Ich habe seinen Kollegen gesagt, dass sie ihn nicht verstossen sollen, damit er nicht alles verliert», sagt Robert Rahm. Gegenüber den «Schaffhauser Nachrichten» erklärte er: «Als Christen streben wir danach, Christus ähnlich zu werden, ihm nachzufolgen in seiner Barmherzigkeit und Liebe. seinem Verständnis und seiner Hingabe, den Nächsten im Blick. Denn Dienen kommt vor Verdienen». Die christliche Grundhaltung des Familienunternehmens sei vielfach positiv aufgenommen worden, was sich auch positiv aufs Unternehmen auswirkte.
 
Die Kinder können weiterhin mit Rimuss anstossen. Andrea Davaz will die Produktion in Hallau und sämtliche 45 Mitarbeiter übernehmen. Auch die Marke bleibt erhalten. Seit vier Jahren gehört Rimuss einer Familienstiftung, die christliche und soziale Projekte unterhält. Die Stiftung hat auf einiges Geld verzichtet, um diese Lösung zu ermöglichen. Die Familie Rahm schreibt Darlehen ab, die sie der Firma gewährte.
 
Das führte im «Bündner Tagblatt» zu folgendem Kommentar: «Robert Rahm hätte als  Patron der Traditionsfirma Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG tatsächlich allen Grund, verärgert zu sein. Unter anderem, weil ein Kadermitarbeiter Geld veruntreute, geriet das Unternehmen in finanzielle Schieflage. Rahm vergab ihm und rief auch alle Beteiligten zu Nachsicht mit dem ‚schwarzen Schaf’ auf. Rahms Haltung beruht auf seinem christlichen Glauben und äussert sich auch in seiner Unterstützung Hilfsbedürftiger. Die Firma bleibt in guten Händen. Denn auch Davaz ist von biblischen Werten geprägt. Beide zeichnet auch aus, dass sie ihr Wirken nicht an die grosse Glocke hängen. Echte Vorbilder eben.»
 
Herzlich, Markus Baumgartner
Das DienstagsMAIL ist eine nicht-kommerzielle und kostenlose Dienstleistung für Christen, die ihr Engagement öffentlichkeitswirksamer gestalten wollen. Das DienstagsMAIL wird von einem Kommunikationsprofi in seiner Freizeit verfasst. Die praktischen Tipps sollen mithelfen, dass Christen verstärkt in der Gesellschaft wahr genommen werden.