Die olympischen Winterspiele in Sotschi sind vorbei. Was bleibt zurück? Als Olympic Chaplain vermittelte Jörg Walcher aus dem Thurgau Werte über den Moment hinaus und kümmerte sich ums seelische Wohl der Sportler.




 
 

Mehr als Goldmedaillen

Jörg Walcher war Sport-Pfarrer in Sotschi

«Wie ist das eigentlich mit Sex im olympischen Dorf?», fragte die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ). Es gingen wilde Gerüchte um. Eine Dating-App soll namens Tinder der grosse Hit bei Sportlerinnen und Sportlern gewesen sein. «Wer nun denkt, Olympia sei ein einziger Sündenpfuhl, den können wir beruhigen», schrieb die NZZ weiter: Es gab im Athletendorf nämlich auch einen Seelsorger. Der kommt aus der Schweiz und heisst Jörg Walcher (40). Bei ihm durften sich sicher auch Sportler mit Liebeskummer melden.
 
Nach dem Attentat auf die israelische Delegation an der Olympiade 1972 in München hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) festgestellt und beschlossen, dass eine umfassende Betreuung der Sportler nötig ist. Jörg Walcher wirkt seit der Winterolympiade 2006 in Turin als Sportpfarrer. 2010 betreute zum Beispiel die Sportler, nachdem ein georgischer Bobfahrer tödlich verunglückte. In Sotschi hatte er als evangelischer Sportseelsorger den österreichischen, deutschen und schweizerischen Olympioniken geistlichen Beistand geleistet.
 
«Ich habe ganz unterschiedliche Aufgaben. Dazu zählt das Feiern von Gottesdiensten oder Einzelgespräche mit Sportlerinnen und Sportlern», umschrieb Walcher seine Tätigkeit gegenüber Radio Argovia und der «Kreuzlinger Zeitung». Athleten und Betreuer schätzen es, in Mitten des Olympia Drucks eine diskrete Vertrauensperson zu haben, der man sein Herz ausschütten kann. Doch wie findet der in Schladming geborene Olympia-Seelsorger überhaupt den Zugang zu den Spitzenathleten? «Zu Beginn braucht es sicher eine Portion Mut und Offenheit, mit unerwarteten Reaktionen umgehen zu können, sowie Herzlichkeit und ganz viel Geduld.» Denn das Vertrauensverhältnis, das die Grundlage für jede seelsorgerliche Begegnung ist, wächst oft nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre.
 
Da ist es für Walcher natürlich vorteilhaft, dass er sich als ehemaliger Profi-Snowboarder gut in die Lage der Athleten versetzen kann. Mit diesem Background versteht er ihren Lifestyle besser und kann ihre Sprache sprechen. Mittlerweile kennt Jörg Walcher etliche Athletinnen und Athleten sehr gut. Insgesamt war er schon an 15 Wintersport-Grossanlässen als Seelsorger dabei. Er lebt seit über zehn Jahren in der Schweiz mit Jacqueline Walcher-Schneider und den drei Töchtern Joy, Jessie und Jolina im Kanton Thurgau am Bodensee. Jacqueline Walcher-Schneider war mehrfach Schweizer Meisterin im Wasserspringen, Olympia- und WM-Finalistin. Die Homepage von Jörg Walcher heisst «beyond gold», was zugleich seine Vision ist: «Mein Ziel ist, dass der Mensch hinter der öffentlichen Person in all seinen Lebensbereichen ein erfülltes, gesundes und Werte-volles Leben über den sichtbaren Erfolg hinaus führt und unsere Jugend und Gesellschaft als positives Vorbild inspiriert.»

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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