Jodlermesse als Publikumsmagnet

Gäste strömen in Scharen an die Jodlerchilbi

«Wir sind hier oben an einem wunderschönen Ort, wir staunen und danken Gott für unsere Schöpfung. Wir sind hier inmitten schönster Natur, die mächtigen Berge bilden den Rahmen, die Gletscher leuchten, der Bach rauscht, die Kühe sind auf den Weiden. Wir hören ihre Glocken und über uns spannt sich der weite Himmel», sagte Pfarrer Klaus-Dieter Hägele laut der «Jungfrau Zeitung» in seiner Bergandacht in Bachläger oberhalb Grindelwald. Treffend malte er in Worten das Panorama, das sich den gut 500 Anwesenden bot. Die Gäste konnten so gut in sich kehren und sich der Schönheit der Alpen und den Momenten ohne Hektik bewusst wurden.
Jodler- und Ländlermessen boomen. Volle Kirchen sind garantiert. Wegbereiter dieser speziellen Gottesdienstform war Jost Marty, der 1974 erstmals den Jodel als Ausdruck des Jubels in den Kirchenraum trug. Der Liederschöpfer wollte damit in seinem Dialekt Gott ehren, ihm danken und ihn um seinen Beistand und Segen bitten. Daneben wollte er die Jodler dazu anleiten, den Mitmenschen Freude zu bereiten. Die Verherrlichung Gottes kann aber ebenso gut in der freien Natur geschehen, auf Hügeln und Bergen. Der Lobgesang scheint dort sogar schneller in die Höhen emporzusteigen. So heisst es in einem Lied von Jost Marty:  «Dir Herr, wemmer singe, dir Herr, gilt das Lied, dir Herr gilt der Dank, du gisch is Glaube, gisch is meh Muet, schänkscht is di Liebi, s'Läbe, machsch alles guet, du schänkscht is Friede».
Weitere Komponisten sind dem Lehrer, Organist, Kirchenchor- und Orchesterleiter Jost Marty gefolgt. So zum Beispiel die Hüüsmüsig Gehrig, die im Rahmen des Volksmusikfestivals in der Pfarrkirche Altdorf instrumental gespielte Naturjodelmelodien auf gregorianischen Gesang verbanden. «Beides sind ursprüngliche Musizierformen», sagt Franz Gehrig in der «Neuen Urner Zeitung». «Man kann den gregorianischen Choral als den Ursprung der Kirchenmusik und den Naturjodel als den Ursprung der Volksmusik bezeichnen.»
Seit 30 Jahren komponiert Marie-Theres von Gunten Jodellieder. Sie ist auf einem Bauernhof am Baldeggersee im luzernischen Seetal aufgewachsen und hat am Eidgenössischen Jodlerfest in Interlaken als Jurymitglied Jodelvorträge beurteilt. «Lieder sind wie ein Spiegel der Seele. Freude und Leid, Hochs und Tiefs im Leben machen den besonderen Kern der Lieder aus. Das Komponieren hat viel mit dem persönlichen Befinden zu tun und muss aus dem Herzen kommen», ist Marie-Theres von Gunten überzeugt. Die 60-Jährige gehört zum Kreis der besten Jodlerinnen der Schweiz und ist die bekannteste noch lebende Komponistin von Jodelliedern. Von Guntens neueste grosse Komposition – eine Jodlermesse mit liturgischem Ablauf für Jodlerchor, Soli und Orgel – wurde mit viel Erfolg am Auffahrtstag in der Hofkirche Luzern uraufgeführt.
Über die verschiedenen Jodlermessen in der ganzen Schweiz berichten die Zeitungen landauf landab regelmässig.
Herzlich, Markus Baumgartner
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