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No images? Click here ![]() Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut
Sie werden «sprechende Häuser» genannt: Früher wurden viele Häuser, Speicher und Hütten reich verziert. An der Stirnseite hängen oft prominent Anschriften. Sie haben einen geistigen Eigenwert und einen Kulturwert. Diese Hausbeschriftungen haben oft eine christliche Bedeutung: Der Hausspruch wurde als Schutz und Segen für das Haus gewählt. In bestimmten ländlichen Regionen des deutschen Sprachraumes zählten Hausinschriften über viele Jahrhunderte hinweg zum festen kulturellen Bestand und Brauch. Inschriften an Häusern und Giebeln, über Einfahrten und Eingängen sind Ausdruck uralten Schutzverlangens. Sie zeigen die Verbundenheit mit der Natur und der Abhängigkeit von Wind und Wetter. Deshalb wurden sie ursprünglich an Stellen angebracht, wo das Haus am meisten gefährdet war – am Dach, über Tür und Tor. Deutschsprachige Hausinschriften lassen sich vereinzelt schon aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts belegen. «Es ist fast ein bisschen magisch, wenn einer solche Spruch auf ein Haus gesetzt wird», sagt der Volkskundler und Bauernhausforscher Jean-Pierre Anderegg (80) gegenüber Radio SRF . Gottvertrauen prägen Spruchinschriften Der Bau von Häusern war für Familien ein Ereignis. Diese Freude wurde gefeiert und ein bisschen verewigt, indem nicht nur die Jahrzahl, sondern auch den Besitzer und Zimmermann auf dem Haus notiert wurde. Zahlreiche Inschriften lassen sich auf gemeinsame Themen und Motive zurückführen. So zum Beispiel auf das Motiv der «peregrinatio vita», der fortwährenden Pilgerschaft auf Erden. Gottvertrauen und die Bereitschaft, sich Gottes Willen zu fügen, prägen Spruchinschriften. Dass diese Grundhaltung früher weit verbreitet war, belegen Spruch-Formeln wie «An Gottes Segen ist alles gelegen» oder «Wer auf Gott vertraut, hat wohl gebaut» (Auf got vertrut ist wol gebut, Klosters 1644): Sie zählen zu den häufigsten Haussprüchen im gesamten deutschsprachigen Raum. Viele Sprüche sind einprägsam und haben einen Reim, so wie dieser: «O Gott du Geber aller Güter. Sey doch dieses Hauses Hüter». 90 Prozent christliche Inschriften Im Schanfigg gibt es rund 130 Inschriften an Häusern. Davon sind 90 Prozent christlich geprägt und in gotischer Schrift geschrieben, erläutert Jean-Pierre Anderegg: «Die Familien haben sehr Wert darauf gelegt, ihr Haus unter den Schutz des Herrgottes zu stellen.» Er zitiert einen Spruch von 1804: Vor Feuer und Wassersnot 1860 ging die alte Tradition zu Ende. Der Grund dafür ist offen, so Anderegg: «Das ist eine Frage, die nicht geklärt ist. Vielleicht waren die Pfärrer nicht mehr so eifrig und haben solche Vorlagen geliefert. Waren Pfarrer vorher teilweise Jahrzehnte lang am Ort und haben geprägt, waren die Nachfolger nur noch drei bis fünf Jahre dort.» Bedeutung heute Was sagen die Hausinschriften uns heute? Für Menschen, die an diesen Häusern vorbeilaufen, ist die Bedeutung heute nicht mehr so gross. Teilweise kann man die Schriften heute gar nicht mehr lesen. Aber Anderegg betont: «Ein Hinweis zur Bedeutung sind aber die aufgefrischten Sprüche bei renovierten Häusern.» Viele Sprüche haben uns auch heute im angesichts der dramatischen Ereignisse in der Ukraine etwas zu sagen: Hätten wir alle einen Glauben, Herzlich, Markus Baumgartner P.S. Save the date – bitte vormerken: Das nächste Dienstagsmail-Fest findet am Sonntag, 22. Mai 2022, von 17.00-20.00 Uhr im Hotel Glockenhof in Zürich statt. |
