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No images? Click here ![]() Strassenmusiker, Mönch & das grosse Comeback
Michael Patrick «Paddy» Kelly entwickelte sich vom Teenieschwarm zum ernstzunehmenden Singer-Songwriter. Das drittjüngstes Kind war Mitglied der berühmten irisch-amerikanischen Musikgruppe «The Kelly Family». Bei ihm sind Leben und Musik nicht voneinander zu trennen. In der tiefsten Lebenskrise suchte der Gottsucher während sechs Jahren Zuflucht in einem Kloster. Michael Patrick «Paddy» Kelly ist 1977 als sechstes Kind US-amerikanischer Eltern in Dublin geboren. Nach dem Tod seiner Mutter 1982 war sein Vater alleinerziehend; die Familie lebte in Armut. Von frühester Kindheit an reiste Paddy Kelly mit seiner Familie mehr als zwölf Jahre lang als Strassenmusiker durch Europa und die USA und bestritt mit zunehmendem Alter mehrere Konzerte täglich. Ab 1984 begann er seine Geschwister auf der Bühne zu präsentieren und führte als Ansager durch die Veranstaltungen. Paddy Kelly wurde von seinem Vater unterrichtet und besuchte keine staatliche Schule. Der Vater reiste mit der Familie mit einem Bus mit der Aufschrift «The world is our castle» durch die Welt. 20 Millionen verkaufte Tonträger Die musikalische Karriere der Pop- und Folkband «The Kelly Family» nahm zunehmend Fahrt auf. Sie gehörte ab Mitte der 1990er Jahre mit mehr als 20 Millionen verkauften Tonträgern zu den kommerziell erfolgreichsten Interpreten in Europa. Schon im Alter von 15 Jahren komponierte Paddy den Titel «An Angel», der für die Kelly Family 1994 den kommerziellen Durchbruch bedeutete. Die Single erreichte unter anderem die Spitzenposition in Österreich sowie Platz 2 in den deutschen und Schweizer Charts. Die anhaltende Berichterstattung durch die Jugendzeitschrift «Bravo» forcierte die weitgreifende Euphorie unter vorwiegend jungen Mädchen, die ihn zum Teeniestar aufsteigen liess. Ab seinem 18. Lebensjahr war Paddy Kelly musikalischer Leiter der Band. Er spielte vor allem Gitarre, E-Gitarre, Bass, Klavier und Keyboard. 2002 starb sein Vater an den Folgen einer Hirnblutung. Klosterleben als Neuanfang 2003 veröffentlichte er sein Solodebüt «In Exile» und geriet danach 2004 mit 27 Jahren in eine grosse Krise: Eine Kindheit im Rampenlicht, die ständige Aufmerksamkeit, verrückte Fans, der Tod seines Vaters – das wurde zu viel: Michael Patrick Kelly hatte Selbsttötungsgedanken, war im absoluten Tief und beschloss, ein anderes Leben anzufangen. Er unterzog sich einer Psychotherapie und suchte nach einer Quelle. Schliesslich zog er sich in ein Schweigekloster im französischen Burgund zurück und lebte komplett zurückgezogen als Bruder John Paul Mary. Er war rastlos und fand mit der Zeit die Ruhe. «Jeder Song hat einen Songwriter. Wenn ich mich selbst als Song oder Kunstwerk verstehe, dann kann ich mich nur selbst erkennen, wenn ich die Frage nach dem Erfinder und Urheber beantworten kann. So habe ich die unsichtbare Gegenwart von Gott erkannt», erklärte er in der Sendung Sternstunde Religion von SRF. Im Kloster studierte er dann Philosophie und Theologie. Erst als er sechs Jahre später vor der endgültigen Entscheidung stand, das ewige Ordensgelübde abzulegen, verspürte er zunehmend das Bedürfnis, seine Kreativität wieder auszuleben. Auch viele ältere Mitbrüder bestärkten ihn, wieder Musik zu machen. Die Erfahrung im Kloster bezeichnete er rückblickend als die aussergewöhnlichste Zeit seines Lebens. Erst als er dort zweckfrei Musik machen durfte, habe er auch seinen inneren Kompass und die Liebe zur Musik wiedergefunden. Bis heute sind das tägliche Gebet und die Bibelmeditation feste Bestandteile seines Alltags, sagt der 44-Jährige bekennende Christ. Heirat und musikalisches Comeback Er heiratete seine Jugendliebe, die belgische Journalistin und Religionsphilosophin Joelle Verriet. Auch nahm er seine Tätigkeit im Musikgeschäft 2011 wieder auf. Mit seinem fünften Album «B.O.A.T.S.» («Based On A True Story») ist er aktuell auf Tour und kommt unter anderem ins Hallenstadion nach Zürich. Das Album enthälft 15 Songs, die alle auf wahren Geschichten und Erlebnissen aus dem Leben basieren. Zum Beispiel der Häftling, der in seiner Gefängniszelle zum Ikonenmaler wird und lernt, sein Leben in einem neuen Licht zu malen (Icon). Michael Patrick Kelly hat selbst mehrfach für Häftlinge hinter Gittern gesungen. Seine unverwechselbare Vier-Oktaven-Stimme, sein begnadetes Songwriting, seine Fähigkeiten als Vollblutmusiker und Produzent – aber auch seine Lebenserfahrung als Kinderstar, Mönch, Ehemann und zurückgekehrter Musikstar – ermöglichen es ihm, Songs herauszuhauen, die in Sachen Mut, Trost und Hoffnung überzeugen. Doch um den kommerziellen Erfolg geht es Michael Patrick Kelly schon lange nicht mehr. «Natürlich wäre es schön, wenn das Album gut ankommt. Aber in erster Linie muss es mich glücklich machen. Ich bin jetzt verheiratet, mache Musik, die aus meinem Herzen kommt. Mehr kann ich vom Leben nicht verlangen. Alles Weitere wäre ein Bonus. Ich bin glücklich. Endlich», sagte der dem Gala-Magazin. Herzlich, Markus Baumgartner |
