Wenn sich im Herbst das Tempo der Tage legt, dann wird die Innenschau zentraler. Exerzitien sind ein bewährter und begleiteter Weg der Selbsterfahrung. Dabei geht es nicht um eine Nabelschau, sondern einer Selbsterfahrung zu Gott hin. In der Stille aufräumen, sich mit sich selbst konfrontieren, sich aushalten und wieder annehmen und alles im Gebet Gott hinhalten. Eine Begegnung mit Jesus Christus anhand biblischer Szenen. Die ignatianische Exerzitien-Angebote sind dabei spirituelle Übungstage in Stille, die getragen werden von einer schlichten Struktur des gemeinsamen Betens und der Mahlzeiten. Im Sinne von «Dem Leben auf den Grund kommen». Das findet auch in der Öffentlichkeit Anklang: «Das katholische Pfarramt Küssnacht/Merlischachen lädt herzlich ein zu den Exerzitien im
Alltag», schreibt der «Bote der Urschweiz». Und die Zeitung «Der Rheintaler» kündigt an: «Einmal innehalten mitten im Alltag – Stille suchen – Kraft schöpfen und am Leben neuen Geschmack finden – auf das Wort Gottes hören – Gott im Alltag suchen – nicht allein bleiben – sich anderen öffnen – Gott erfahren: Das ist fünfmal am Montagabend im katholischen Pfarreiheim in Heerbrugg möglich.» Die «Linth-Zeitung» schreibt: «Unter dem Titel ‘Dem Licht entgegen – Beten und meditieren im Alltag’ bietet die Seelsorgeeinheit Obersee ökumenische Exerzitien im Alltag an.»
Auf Gott hören
Jesus Christus war der Grundton, an dem Ignatius von Loyola (1491-1556) sein Leben stimmte. In dieser Grundstimmung lernte er in einer tiefen Krise auf das zu hören, was Gott von ihm wollte. Seine Erfahrung mit Gott gab Ignatius an andere Christinnen und Christen weiter, indem er sie geistlich begleitete und für sie «Geistliche Übungen» (lat. Exerzitien) schrieb, wie sie auf Gott hören können. Jeder ignatianische Exerzitienweg beginnt mit der Arbeit am Fundament. Es ist ein Hinspüren zum Ja Gottes, das uns in der Tiefe trägt. Biblische Texte des Zuspruchs, des Segens sind in dieser Phase wegleitend. Erfahrungen, die Vertrauen, Geborgenheit, Liebe, Hoffnung und Mut vermittelt haben, werden aufgespürt. Im Gebet ist die Dankbarkeit eine zentrale Ausdrucksform. Es geht darum, Blick und Empfindung dafür zu entwickeln, dass wir
uns als Menschen bejahen und in der Tiefe getragen sind.
Hineinschnuppern in Exerzitien
Die Sehnsucht nach Tiefe und Weite führte die reformierte Pfarrerin Christa Gerber von den kargen Juraweiden in die Bänke der theologischen Fakultät, über den Ozean und in eine kleine klösterliche Gemeinschaft und wieder ins Pfarramt. Mit anderen ein weites Zelt aufspannen, in dem Menschen Gott suchen und finden dürfen, – das verleiht ihr immer wieder Flügel. Die ignatianische Spiritualität ist für sie eine kostbare Hilfe, das eigene Leben tiefer in Gott und in seiner Welt zu verwurzeln. Pfrn. Christa Gerber gibt bei der VBG und im Lasalle Haus eine Hinführung zu den ignatianischen Exerzitien. Das nächste Mal ein Wochenende im Lasalle Haus vom 6.
Bis 8. Dezember 2024.
Wer mehr will: Ökumenischer Lehrgang
Seelsorgende, Pfarrpersonen sowie Pastorinnen und Pastoren können selbst solche Exerzitien leiten. Für die Vorbereitung gibt es einen ökumenischen Lehrgang «Ignatianische Exerzitien und Geistliche Begleitung». Er übersetzt die Erfahrung des Ignatius ins Heute und will helfen, andere Menschen auf der Suche nach Sinn, Gott und ihrer Berufung geistlich zu begleiten. Dabei bekommen die Teilnehmenden intensive Begleitung und Supervision. Da das biblische Wort im Zentrum steht, ist die Ausbildung für verschiedene christliche Gemeinschaften geeignet. So sind in den letzten Durchgängen zunehmend Absolventinnen und Absolventen aus der evangelisch-reformierten Kirche und evangelischen
Freikirchen dazugestossen. Der Lehrgang ist besonders empfehlenswert für Personen mit seelsorglicher, kirchlicher, therapeutischer oder persönlichkeits-bildender Tätigkeit. Die vergangenen Lehrgänge zeigten, dass auch andere Berufsgruppen diese Ausbildung mit viel Gewinn durchlaufen.
Informationsabende
Das Lassalle-Haus führt den Lehrgang unter der Leitung von Bruno Brantschen zum vierten Mal in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg durch. Er kann sowohl mit dem Zertifikat des Lassalle-Hauses als auch mit einem Weiterbildungs-DAS oder -MAS der Universität Fribourg abgeschlossen werden. Es gibt dafür Informationsabende:
a) Donnerstag, 14. November 2024 | 18.30 – 20.30 Uhr I aki Zürich (Hirschengraben 86, 8001 Zürich), Teilnahme auch online möglich
b) Dienstag, 14. Januar 2025 | 18.30 – 20.30 Uhr I aki Bern (Alpeneggstr. 5, 3012 Bern), Teilnahme auch online möglich
Herzlich, Markus Baumgartner