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Prominentes Plädoyer für das Kreuz

Die heutige Gesellschaft tut sich schwer mit religiösen Symbolen, nicht nur aus falsch verstandener Rücksicht auf Andersgläubige. Es äussert sich darin das Symptom einer tiefergehenden Krise, ist der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann, 71, überzeugt. Er wäre zweimal fast gestorben und plädiert prägnant für das Kreuz.

 

Die Kirchen leeren sich Jahr für Jahr: Wird die Religion zur Folklore? Die «Neue Zürcher Zeitung» publizierte eine Kanzelrede vom katholischen Schriftsteller Thomas Hürlimann, 71, aus Walchwil (ZG), die er im protestantischen Zürcher Grossmünster gehalten hatte. Er publizierte gerade seine neuestes Werk «Der rote Diamant». Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt, dass der Schriftsteller damit ein Meisterwerk geschaffen habe. Es beruht auf eigenen Erfahrungen, führt seine Erzählung aber weit über alles hinaus, was man erwarten darf: «Als lachphilosophischer Untergangsroman ist ‘Der Rote Diamant’ ein Triumph. So viel Heiterkeit bei so viel Verlust. So viel Witz trotz endlosen Schreckens. So viel Humor bei permanenter Tristesse. Dieser Roman ist als Karneval der Katastrophen vor allem ein Fest des Komödiantischen.» Was aber geht unter? Nicht weniger als das Katholische selbst: Kirche wie Kreuz, Klosterwesen wie Katechismus, Pilgerfrömmigkeit wie Reliquienglaube. 

Religiöse Symbole eliminiert

Zurück zur Kanzelrede von Thomas Hürlimann, dem Sohn vom alt Bundesrat Hans Hürlimann. Er stellt rückblickend wohlwollend fest: «Unserer Demokratie gelang es, immer Religiösen Frieden zu stiften – das ist eine bewundernswerte Leistung. Aber dieser Frieden, worin sich die Differenzen versöhnten, hat sich mittlerweile in eine Art Brache verwandelt, in einen wohlstandssatten Nihilismus, der nicht mehr aus dem Geistigen lebt, sondern aus der Rohkost, dem Jogging und dem Velofimmel.» Und er ergänzt wehmütig: «Die katholischen Zuger Kirchen, die in meiner Jugend jeden Sonntag voll waren, sind heute leer, und die Stadt ist stolz darauf, in der neuen Abdankungshalle auf unserem Friedhof religiöse Symbole eliminiert zu haben.» Um arabische Touristen nicht zu verletzen, werde das Kreuz von den Gipfeln geholt, und selbst die Spitäler der Innerschweiz haben es aus allen Räumen verbannt. Für das ewige Leben seien neuerdings Virologen und Politiker zuständig: «Und was über uns ist, ist nicht mehr Transzendenz, nicht mehr Metaphysik, es ist das versaute Klima.» 

Vergehen und Wiederwerden 

In den vergangenen Jahren unternahm Thomas Hürlimann «eine abenteuerliche Reise  durch viele Spitäler, Intensivstationen, Operationssäle und unterirdische Bestrahlungsbunker». Das Wort Tod hörte er nie, und ein Kreuz sah er nur ein einziges Mal: im Kantonsspital Nidwalden in Stans. Es hing im Vorraum zum Operationssaal «Also am richtigen Ort, an der Schwelle zwischen Leben und Tod.» Wohin zeigt der Wegweiser, fragte er sich, auf welcher Seite werde er erwachen?

Thomas Hürlimann erzählt, wie die Scheiche aus Katar, die auf dem nahen Bürgenstock residieren, im Stanser Spital eine aussergewöhnliche Intensivstation einrichten lassen haben: mit einem Panoramafenster, vor dem das Stanserhorn und die Engelberger Alpen liegen. «Wenn sie schon einmal krank und in der Schweiz hospitalisiert sind, wollen die Herren aus der Wüste sehen, wie es regnet oder schneit, und da sie sich mit ihrem Geld diesen Wunsch erfüllen konnten, dürfen nun alle in Stans Operierten aus dem Nirwana der Anästhesie zurückkehren in den sichtbaren Kreislauf von Tag und Nacht, von Morgen und Abend.» Man hänge an den Schläuchen und zwischen Tod und Leben und erfahre sich im Angesicht der aufglühenden Sterne und erlöschenden Gipfel morphiumselig als Geschöpf einer Schöpfung, die das Werden und Vergehen und Wiederwerden auf wunderbare Weise vereint.

«Wir sind Sterbliche»

Heute sei den Schweizer Strassen nicht mehr anzumerken, ob man sich durch einen katholisch oder einen protestantisch geprägten Kanton bewegt. Hier wie dort der gleiche Asphalt, der gleiche Beton sowie, anstelle der früheren Kreuzungen, Kreisel. «Seit ich in Neapel aus einem sechsspurigen, sausend sich drehenden, unentwegt hupenden kläffenden trötenden Verkehrswirbel etwa eine halbe Stunde lang nicht mehr herausgefunden habe, bringe ich dem Kreisel eine gewisse Skepsis entgegen», so Thomas Hürlimann. Er erkennt darin ein Symptom: «Der Kreuzzug gegen das Kreuz wird heute auch in der plattesten Form geführt – zum Beispiel von Tourismusmanagern auf den Gipfeln. Wissen diese Leute, was sie tun?» 

Klar tobe da sich die wahnhafte Political Correctness aus, aber der wahre Grund werde wohl die Angst vor dem Tod sein: «Was im Mittelalter und noch für den Zuger Pfarrhelfer Stocklin der Teufel war, ist für uns Heutige der Tod – das macht die jüngste Vergangenheit mit ihrem Maskentreiben auf komödiantische Weise sichtbar.» Nichts gegen die Maske, nichts gegen die Impfung, nur sollten wir wissen: «Wir sind Sterbliche, so heisst unsere Gattung, das lässt sich weder leugnen noch wegimpfen.» Das Fazit von Thomas Hürlimann: «Der Glaube, mit dem Abhängen der Kreuze lasse sich der Tod abhängen, ist ein fataler Irrtum. Nein, den Tod hängen wir nicht ab, auf den laufen wir zu, und genau aus diesem Grund, weil der Tod gewiss ist, sollten wir das Kreuz als Hoffnungs- und Überlebenszeichen stehen lassen.» Denn es stelle den Lebensbaum dar, den vielblättrigen und vielfruchtigen, den immerwährend verwelkenden und aufblühenden. «Wer dieses Symbol eliminiert, der verleugnet damit nicht nur seine Abstammung aus dem Abendland, er sägt auch die Äste ab, auf denen wir hocken.»

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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