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Priester wird Ehrenbürger von Bangkok

Bangkoks Priester für die Armen findet seinen Platz unter den Ausgestossenen: Seit 50 Jahren lebt der US-Amerikaner Joseph H. Maier, 83, in einem der ärmsten Viertel der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Dort bietet er in den Slums von Klong Toey gefährdeten Kindern Alternativen und Zufluchtsorte vor Gewalt, sexuellem Missbrauch, Kinderhandel und Prostitution. Jetzt wurde «Father Joe» Ehrenbürger von Bangkok und erhielt von der thailändischen Königin eine Auszeichnung für sein Lebenswerk.

 

Der junge US-Priester Joseph H. Maier war schon immer eine Art Aussenseiter. In Longview im US-Bundesstaat Washington geboren, wurde er von seinem Vater, einem Maler und Landwirt, verlassen. «Er ist einfach gegangen. Das tut so weh», sagt er. «Das ist der Kern des Ganzen: Ich wollte Priester werden, um anderen Kindern zu helfen, damit sie nicht so leiden und verletzt werden wie ich.» Später studierte er Theologe. Aber nach seiner Priesterweihe fand er in der Heimat seinen Platz nicht und wurde von der römisch-katholischen Kirche wegen seines rüpelhaften Verhaltens gemieden. «Niemand wollte mich haben», sagte er. «Ich war betrunken; ich war immer über irgendetwas verärgert, ein wütender junger Mann. Ich passte nicht ins Bild.» Doch in den Slums von Bangkok fand der heute 83-jährige Pater Joe seinen Platz, ein Ausgestossener unter Ausgestossenen.

Schule im Schweinestall

Als Missionspriester ging Pater Maier 1967 zunächst nach Bangkok, um das offizielle Bangkok-Thai zu studieren. Dann als Priester in ein abgelegenes laotisch sprachiges katholisches Dorf im Nordosten Thailands und schliesslich in ein katholisches Bergdorf im Norden von Laos, wo er sich um die erste Generation katholischer Gemeinschaften kümmerte. Der tobende Bürgerkrieg in Laos zwang Pater Joe 1972 zurück nach Bangkok, wo er die Human Development Foundation und das dazugehörige Mercy Center ins Leben rief. 

In Klong Toey lernte er eine katholische Nonne kennen, Schwester Maria Chantavarodom, heute 93, die ihn durch die engen Gassen führte und mit ihm zusammen die winzige Schule in einem ehemaligen Schweinestall gründete. «Schwester Maria war immer der Herzschlag, immer die Heiligkeit», sagte er in einer Reportage zur «New York Times». «Sie war es immer und sie ist es immer noch», sagte Pater Joe, vielleicht mit der für einen Priester typischen Bescheidenheit. «Ich war es nie. Ich stolpere nur herum.»

Inspiration durch Mutter Teresa

Schon bald nach seiner Ankunft in Bangkok hatte er die Gelegenheit, Mutter Teresa während ihres Besuchs in Thailand durch Klong Toey zu begleiten. Er war von ihrem Charisma und ihrer Heiligkeit so angetan, dass er sich daran erinnert, wie er ausrief: «So möchte ich auch sein. Wow!»

Ihrem Beispiel folgend, besuchte er 23 Jahre lang die Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses und eines Einwanderungsgefängnisses. In der Karwoche führte er das Ritual der Fusswaschung für die Häftlinge durch.

Die Stiftung ist inzwischen auf ein Netz von mehr als 23 Kindergärten und 30 Schulen angewachsen, in denen seither mehr als 53’000 Kinder unterrichtet wurden. Es wurden auch mehr als 10’000 Häuser gebaut, wie Pater Joe in einem YouTube-Clip erläutert. Zudem besteht ein Heim für verlassene Mütter und Kinder und ein AIDS-Hospiz, das sich zu einem häuslichen Pflegesystem entwickelt hat. 

Leben im Sumpf

Pater Joe nahm gegen eine Gebühr von ein oder zwei Pfennigen pro Tag Kinder aus den ärmsten Familien auf. Er lehrte sie, ihre Namen in thailändischer Schrift zu buchstabieren und gab ihnen zu essen, was oft ihre einzige Mahlzeit am Tag war. Er wohnte jahrzehntelang in einer Hütte in der Nähe. Seine Nachbarn waren die Ausgestossenen der thailändischen Hauptstadt: Metzger, Plünderer, Strassenhändler, professionelle Bettler, Diebe und Prostituierte. Holzbretter bildeten Gehwege über den schlammigen Boden des Viertels, der sich während der Regenzeit in einen verschmutzten Sumpf verwandelte. Erst als 2001 der US-Philanthrop John M. Cook Geld für den Bau eines Geländes für das Mercy Center spendete, entstanden Schlafsäle, Klassenzimmer, eine Kapelle und eine komfortable Wohnung für den Priester.

50 Jahre später ist Father Joe immer noch in Klong Toey. Doch selbst jetzt, nachdem er internationale Anerkennung, einen Master-Abschluss in Siedlungswesen, zwei Ehrendoktortitel, die Ehrenbürgerschaft von Bangkok und eine von der thailändischen Königinmutter Sirikit verliehene Auszeichnung für sein Lebenswerk erhalten hat, gehört er immer noch nicht richtig dazu. Trotz all seiner guten Taten kann Pater Joe anspruchsvoll und schroff sein, so die Mitarbeiter des Zentrums. Und fünf Jahrzehnte nach seiner Ankunft in Thailand sind seine Beziehungen zur Kirchenhierarchie nach wie vor angespannt. «Die Kirche will nichts mit mir zu tun haben. Der Kardinal ignoriert mich irgendwie, was auch in Ordnung ist», sagte er. «Jesus wurde nie akzeptiert, weil er Gutes getan hat; sie haben ihn getötet».

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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