Seit April 2025 ist Lukas Werthschulte (28) im Probedienst im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid tätig. Seine Arbeit teilt sich auf zwei Bereiche auf: eine halbe Stelle in der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde, wo er in der Stadtkirchenarbeit aktiv ist. Und eine weitere in der Stabsstelle für Kommunikation des Kirchenkreises, in der er an kreativen Formaten und digitalen Kommunikationswegen arbeitet. Superintendent Heiner Montanus betonte in der Ordinationsansprache, dass Lukas Werthschulte zu jenen gehöre, die den Mut hätten, neue Wege zu gehen: «Raus aus den Kirchmauern und mitten in die Öffentlichkeit, wo er nicht weiss, was als nächstes passiert.» Als Beispiel nannte Heiner Montanus das Projekt «Nimm Platz», bei dem der junge Pfarrer mit einer einfachen
Bierzeltgarnitur auf dem Heinrich-König-Platz in Gelsenkirchen sitzt und Passanten zum Gespräch einlädt. «Da, wo Menschen unterwegs sind, ist Kirche präsent – ganz niederschwellig, ganz nah», so Heiner Montanus, schreibt die Evangelische Kirche Gelsenkirchen.
«Nimm Platz»
Wenn das Leben aus den Fugen gerät – von den kleinen bis zu den grossen Sorgen. Es ist wichtig, dass man dann jemand hat, mit dem man sprechen kann. Lukas Werthschulte hat bemerkt, dass viele in der Stadt nicht mehr Wissen, mit wem sie reden können. Deshalb schenkt er ihnen ein offenes Ohr. Mit seiner Pop-Up-Seelsorge direkt vor der Altstadtkirche in Gelsenkirchen will er den Menschen mit einem möglichst niederschwelligen Angebot einfach zuhören. Das Plakat «Nimm Platz» macht neugierig und so kommt Lukas Werthschulte mit den Menschen ins Gespräch, berichtet der Westdeutsche Rundfunk WDR in einer Reportage. Mit seiner offenen, zugewandten Art und seinen
unkonventionellen Ideen möchte Werthschulte zeigen, dass Kirche auch ausserhalb klassischer Räume lebendig sein kann. «Manchmal reicht ein Tisch, zwei Bänke und die Bereitschaft zuzuhören».
Gemeinsam unterwegs
Seine Arbeit vergleicht Lukas Werthschulte gerne mit der biblischen Geschichte von den Jüngern, die zwar gemeinsam mit dem auferstandenen Jesus auf dem Weg nach Emmaus sind, ihn aber nicht erkennen. «Jesus gibt nicht sofort zu erkennen, dass er auferstanden ist, sondern lässt sie erst einmal reden darüber, wie traurig sie gerade sind.» Er ist sich sicher, dass bereits viel Evangelium in einer annehmenden Haltung liegt. Ohne Verurteilung oder schnelle Schlüsse. «Ich würde so gerne das magische Wort haben, dass der Schmerz weg und der Glaube wieder da ist. Aber das kann ich nicht. Ich möchte eine Form von Religion spürbar erlebbar machen, in der nicht alles erklärt werden muss. Wo nicht immer eine Antwort gefunden wird, wo man gemeinsam unterwegs ist und sucht.» Die Pop-Up-Seelsorge sei auf der einen Seite fordernd,
weil man sich immer wieder auf neue Menschen einlassen muss. Aber es sei auch spannend. In erster Linie geht es um die Begegnung.
«Wut ist dumm»
Kreativ ist Lukas Werthschulte auch auf seinem Instagram-Kanal. «Wut ist dumm», schreib er kürzlich. Zumindest dann, wenn sie ziellos ist. Wenn sie nur aus verletztem Stolz, Egoismus oder Rache entsteht und Ungerechtigkeit am Ende vergrössert, statt ihr entgegenzutreten. Zorn schaltet die Vernunft aus, vergiftet Beziehungen und zerstört. Aber Wut hat eben auch eine andere Seite: Sie kann zutiefst hilfreich sein. Wut ist das unüberhörbare Signal, dass etwas schiefläuft. Dass Unrecht herrscht, Unterdrückung passiert oder die Würde von Menschen verletzt wird. Selbst Jesus wurde wütend, als er die Geldwechsler aus dem Tempel trieb, weil Menschen
ausgebeutet wurden. Sogar in den alten Psalmen hat Wut ihren Platz: Da schreien Menschen ihren Frust ungefiltert heraus – nicht um sich abzuwenden, sondern als ehrlicher Ausdruck ihrer Beziehung.
Herzlich, Markus Baumgartner
P.S. Save the date: Das nächste Dienstagsmailfest findet am Sonntag, 14. März 2027, von 17.00-20.00 im Glockenhof Zürich statt.