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Paul Simon singt jetzt PsalmenPaul Simon hatte zusammen mit Art Garfunkel einige der einflussreichsten und beständigsten Werke der Musikgeschichte geschaffen. Für Songs wie «Mrs. Robinson» erhielt er insgesamt 16 Grammy Awards. Nun denkt er über Glauben, Tod und die Existenz Gottes nach: Nach einem starken Traum von sieben Liedern in einem Song entstand vier Jahre später sein mit Spannung erwartetes musikalisches Werk «Seven Psalms».«Ein Stück Schönheit» und «ein Meisterwerk» lauten die Kritiken zum 15. Album von Paul Simon (82). Es sei «ein Zeugnis dafür, wie neugierig und engagiert ein Künstler so spät in seiner Karriere sein kann». Stephen Thomas Erlewine von AllMusic fand es durchgehend aufschlussreich: «Auf den ersten Blick wirkt das Album wie ein Tongedicht, eine Meditation über Sterblichkeit und Spiritualität. Doch bei jedem weiteren Hören offenbart sich ein Moment der Gnade oder der Einsicht, der dazu beiträgt, das gesamte Projekt ins rechte Licht zu rücken.» Mit dem Album bringt er seine Umgebung zum Schweigen. Die Stille ist fesselnd, fast unheimlich – als würde man sich am frühen Morgen nach einer langen Regennacht in den Garten wagen. Paul Simon singt in einer der einprägsamsten Zeilen: «Ich lebte ein Leben voller angenehmer Sorgen, bis der Ernst des Lebens kam». Simon bezeichnete dieses Album als einen «Streit, den ich mit mir selbst darüber führe, ob ich glaube oder nicht». Ein Happy End kann nicht viel klarer sein als dieses. Lebhafter Traum weckte ihn auf Die Entstehung des Albums ist erstaunlich: Paul Simon bereitete sich auf den Ruhestand vor, nachdem er sein letztes Konzert gegeben hatte. Am 15. Januar 2019 weckte ihn ein lebhafter Traum mit der Botschaft «Du arbeitest an einem Stück namens Seven Psalms». Der Traum war so stark, dass er ihn aus dem Schlaf riss und ihn mitten in der Nacht aufschrieb, erläutert er in einem Interview mit Tom Power auf YouTube. Er hatte keine Ahnung, was das bedeutete und was Psalmen überhaupt sind. Und er wusste nicht, wie er mit dem Schreiben von modernen Psalmen beginnen sollte. So komponierte er zunächst Gitarrenstücke. Dann ist er zwei- bis dreimal pro Woche früh am Morgen zwischen 3:00 und 5:00 Uhr aufgewacht. In seinen Träumen empfing er immer wieder Worte. Sie hatten eine Dringlichkeit, die ihn zwang, sie sofort aufzuschreiben. Doch gerade als Paul Simon begann, diesen kreativen Prozess wirklich zu geniessen und die Träume als eine Art Geschenk zu betrachten, erlitt er einen plötzlichen und tiefgreifenden Hörverlust auf dem linken Ohr. Der hindet ihn nun daran, auf Tournee zu gehen. Atemberaubendes, vielschichtiges Werk Die wichtigste Inspiration für das Album war das Buch der Psalmen: Da er nie vor einem geheimnisvollen kreativen Impuls zurückschreckt, studierte Paul Simon die Psalmen von König David und begann mit der Arbeit an seinem ehrgeizigen Projekt. Vier Jahre später ist das Ergebnis ein durchgehendes Stück in sieben Abschnitten, das als musikalisches Gesamterlebnis gespielt werden soll. Seven Psalms wurde komplett mit akustischen Instrumenten aufgenommen und überwiegend von Paul gespielt. Es zeigt Simons Kunstfertigkeit vom Feinsten und besticht durch seine Stimme und seine Gitarre. Es ist ein atemberaubendes, vielschichtiges Werk, das eine einnehmende und meditative, fast hymnische Klanglandschaft schafft. Dazu gehören auch Chorelemente des hoch angesehenen britischen Vokalensembles Voces8 und eines wunderschönen Gesangsauftritts seiner Frau Edie Brickell. Seven Psalms hebt sich von allem ab, was Paul Simon bisher veröffentlicht hat, und lässt sich nicht in eine Schublade stecken. «Es ist für mich eine Reise, die ich vollenden wollte», beschreibt Paul Simon in einem Youtube-Video seinen Weg und gibt Einblick in die Inspiration und den Prozess bei der Suche nach Seven Psalms. Das erste offenkundig spirituelle Werk Wer jemals in einem Popsong nach dem Sinn des Lebens gesucht hat, hat sich wahrscheinlich an Paul Simon gewandt. Der heilige Trost des Alleinseins, die schleichende Angst vor dem Älterwerden, der Spuk, der Menschen nach gescheiterten Beziehungen heimsucht: Seit 60 Jahren erforscht er diese universellen Anliegen mit einer zarten, gesprächigen Stimme. Oft begleitet von komplexen Arrangements, die eine geschäftige, klappernde Welt suggerieren, die bereits die Bühne für die nächste Feier oder Katastrophe bereitet. Die Musik von Paul Simon hatte immer wieder eine spirituelle Dimension. Dazu gehören Klassiker wie «Bridge Over Troubled Water», «Sounds of Silence» und «Graceland». Aber «Seven Psalms» ist das erste offenkundig spirituelle Werk des Künstlers, der 16 Grammys erhielt und zweimal in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen wurde. Paul Simon wuchs in Queens auf, einem Vorort von New York City. Seine Familie gehörte einer Synagoge an, war aber nicht praktizierend. Herzlich, Markus Baumgartner |

