«Ostern, das Passahfest und Artemis II: Sowohl die Feiertage als auch der Mondstart erzählen jeweils eine Geschichte der Erlösung. Warum tauchen diese Geschichten immer wieder auf?» fragt die Zeitung «New York Times» und fährt fort: «Während sich Millionen von Menschen versammelten, um die alte Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten nachzuerzählen, begaben sich drei Amerikaner und ein Kanadier auf ihren eigenen Auszug – von der Erde.» Die Sonne ging gerade hinter dem schmalen Land- und Meeresstreifen von Cape Canaveral unter und läutete damit den Feiertag ein, als Artemis II abhob.
Die Körper der Astronauten, angeschnallt in einem Rohr aus Metall und Draht, schossen mit einer Geschwindigkeit von etwa 38’600 Kilometern pro Stunde in den Weltraum, um ihren zehntägigen Aufenthalt um den Mond zu beginnen. Die «New York Times» weiter: «Passah, Artemis, Ostern – sie alle sind auf ihre Weise Geschichten der Erlösung – Erzählungen von Prüfungen, Triumph und der Befreiung in eine neue Welt voller Möglichkeiten. Solche Geschichten bleiben uns im Gedächtnis. Und es sind genau diese Geschichten, nach denen sich viele Menschen gerade jetzt besonders sehnen. (…) Das Comeback, die Odyssee, die Heldenreise, die Rückkehr des verlorenen Sohnes, der Triumph des Aussenseiters.»
Triumph über die Sterblichkeit
Ostern und Pessach erzählen beide Erlösungsgeschichten. Beim Seder werden Juden aufgefordert, sich vorzustellen, dass sie selbst in Ägypten versklavt waren und dass Gott den Pharao zwang, sie mit einer Reihe immer verheerenderer Plagen freizulassen. Der Exodus ist eine Parabel für das Überwinden von Ungerechtigkeit. «Es ist eine Geschichte, die von der Unterdrückung einer Gruppe von Menschen durch eine andere erzählt und davon, was sie tun mussten, um frei zu sein», sagte Rabbinerin Sandra Lawson, Leiterin von Carolina Jews for Justice zur «New York Times»: «Keiner von uns ist frei, bis wir alle frei sind.» Ostern erzählt die Geschichte vom Tod von Jesus und seiner Auferstehung – einem Triumph über die Sterblichkeit, mit dem Gott verspricht, dass Erlösung für alle möglich ist. Dan McAdams,
Psychologe an der Northwestern University, hat jahrzehntelang erforscht, was mit Menschen passiert, die Erlösungsgeschichten über ihr eigenes Leben erzählen: «Wer Geschichten von persönlichem Triumph erzählt, ist weniger anfällig für Depressionen. Er zeigt mehr Zufriedenheit mit seinem Leben.»
Eine Bibel im Weltall
«Es gibt keine Atheisten in Raumschiffen. Wir brauchen Jesus – egal ob hier auf der Erde oder im Orbit um den Mond», sagt Victor Glover. Er ist der erste schwarze Astronaut auf einer Mondmission und erklärte in einer Osterbotschaft aus der Schwerelosigkeit: «Ob man an Gott glaubt oder nicht – man sollte sich immer daran erinnern, wo wir sind, wer wir sind, was wir sind und dass wir dasselbe sind.» Der Pilot in der Artemis-II-Mission ist ein überzeugter Christ. Er ist Mitglied der US-Kirchgemeinde Church of Christ und hat eine Bibel unter seinen persönlichen Gegenständen ins All mitgenommen. Seine Karriere wird durch seinen Glauben getragen:
«Jedes Mal, wenn ich etwas ziemlich Risikohaftes mache, bete ich – besonders wenn man oben auf einer Rakete sitzt.» Vor dem Start von Artemis II sagte Glover: «Ich bete, dass Gott diese Mission segnet. Aber ich bete auch, dass wir weiterhin eine Quelle der Inspiration sein können, für Zusammenarbeit und Frieden, nicht nur zwischen Nationen, sondern auch in unserem eigenen Land.»
Schöpfungsgeschichte vom Weltraum
Es hat schon einmal eine biblische Lesung aus dem Weltraum gegeben, nämlich 1968 bei der Apollo 8 Mission. Damals umrunden drei Astronauten den Mond und erleben den Erdaufgang. Wie eine blaue Perle steigt die Erde über der grauen Kraterlandschaft des Mondes auf. Bildschön und zugleich verloren schwebt sie vor dem unendlichen Nichts des Weltraums. Und dann lesen die Astronauten Frank Borman, Jim Lovell und Bill Anders über den Bordfunk in verteilten Rollen den Schöpfungsbericht: «Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.» Die Live-Übertragung erreichte schätzungsweise eine Milliarde Menschen; die Besatzung las dabei aus einer Gideon-Bibel vor.
Herzlich, Markus Baumgartner