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No images? Click here ![]() Israel ist eine Erfolgsgeschichte
Israel wählte gerade wieder ein neues Parlament – zum fünften Mal in vier Jahren. Zudem gibt es auch nach 74 Jahren keinen Frieden mit den Nachbarstaaten. In der Politik ist das Land im Nahen Osten kein Vorbild. Wirtschaftlich bringt es uns aber zum Staunen: Das Silicon Wadi ist heute in der ganzen Welt bekannt. Und in Israel lässt es sich heute besser leben als in vielen anderen Ländern. Sie kamen aus 100 Ländern und sprechen 70 Sprachen miteinander. Israel ist gleichzeitig säkulare Heimat und heiliger Boden. Die Menschen, die heute nach Israel einwandern, kommen nicht mehr als Flüchtlinge. Sie kommen in ihr eigenes Land – in das Land ihrer Väter. Als Israel kurz nach dem 2. Weltkrieg 1948 gegründet wurde, war es ein Land, wo es den Schafen wirtschaftlich wohl besser gefiel als den Menschen: Es war dürr, karg und arm. Israel war zu jenem Zeitpunkt ein Entwicklungsland – vergleichbar mit einer afrikanischen Kolonie und sicher ärmer als die meisten seiner Nachbarn, besonders Ägypten oder Libanon, das damalige Finanzzentrum des Nahen Ostens. Hightech-Industrie gehört zu den besten der Welt Seither sind immer mehr Juden aus anderen Ländern eingewandert und haben die Landwirtschaft modernisiert und auch die Industrie gebracht. Bis heute haben sie Beachtliches erreicht: Die Jaffa-Orangen eroberten die Welt. Ihren Namen erhielten die ausgesprochen süssen Orangen von Jaffa, dem einstigen Pilgerhafen von Jerusalem am Mittelmeer. Sie gingen auf eine Mutation zurück, die erstmals in Jaffa gezüchtet worden war. Jaffa ist heute Teil von Tel Aviv. 100’000 Juden und Araber arbeiteten in der Zitrusindustrie. Es war die wichtigste Branche des jungen Israels – das 1950 eine Bevölkerung von 1,3 Millionen aufwies. 66 Prozent aller Exporte bestanden aus Zitrusfrüchten, 18 Prozent Diamanten. 74 Jahre später machen alle agrarischen Exporte zusammen noch zwei Prozent und Diamanten noch vier Prozent aus. Und die erste Branche des Landes ist nicht mehr der Orangenhain, sondern die Hightech-Industrie – einer der rentabelsten und innovativsten der Welt, schreibt «Der Nebelspalter». Meistens unter den 15 Top-Ländern Die Hightech-Industrie wird Silicon Wadi genannt – in Anlehnung an das kalifornische Silicon Valley. Ein Wadi ist auf hebräisch ein Tal oder ein ausgetrockneter Flusslauf, der nur im Winter etwas Wasser führt. Heute führt das Silicon Wadi vor allem Geld: Israel weist gemäss Internationalem Währungsfonds (IWF) ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 55’000 US-Dollar auf. Das ist mehr als die entsprechenden Werte in Deutschland (48’000), Frankreich (42’000), Grossbritannien (47’000) oder Japan (34’000). Die Schweiz weist 92’000 US-Dollar pro Kopf aus. Wenn man internationale Statistiken vergleicht, ist Israel meistens unter den 15 Top-Ländern. Die Vision von Ben Gurion ist Wirklichkeit geworden. Ben Gurion war sehr mit dem Alten Testament verbunden und sah darin eigentlich ein nationales Manifest. Grosses Kompliment Israel gleich damit einem Wirtschaftswunder inmitten des Nahen Ostens: Das Land sah sich seit seiner Gründung gezwungen, dauernd Krieg zu führen, um seine Existenz zu wahren. Das kostet viel, das bindet Ressourcen, nicht zuletzt, weil junge Menschen eine ihrer produktivsten Zeiten im Militär verbringen (Männer drei, Frauen zwei Jahre). Das Land weist eine beträchtliche arabische Minderheit auf (21 Prozent) – das fördert in der Regel das Wachstum nicht. Israel besass kaum Rohstoffe (neuerdings dafür Erdgas im Mittelmeer). Israel wurde fast ständig von seinen Nachbarn politisch geplagt und wirtschaftlich boykottiert. Noch heute liegt kaum einer der wichtigsten Handelspartner im Nahen Osten. Wer unter solch katastrophalen Bedingungen eines der reichsten Länder der Welt aufbaut, verdient ein grosses Kompliment. Ewig mit Jerusalem verbunden Heute leben auch viele Juden ausserhalb von Israel. Aber sie sind mit dem Land verbunden. Der Psalm 137 klingt für alle weiter: «Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren.» Dieser Satz wird seit Jahrtausenden bei jeder jüdischen Hochzeit gesprochen, wenn der Bräutigam ein Glas zertritt, um im Exil des zerstörten Jerusalems zu gedenken. 9,4 Millionen Menschen leben aktuell in Israel. Das Land hat die einzige Demokratie im Nahen Osten ausgebildet. Nach den fünften Parlamentswahlen in vier Jahren wird das Regieren in Israel nicht einfacher. Doch ist es erstaunlich, dass die israelische Demokratie, so schwach und so zerbrechlich sie auch ist, noch immer funktioniert. Herzlich, Markus Baumgartner |
