«Hier in dieser Ecke der Kapelle geschah der brutale Mord», erklärt Claudia Dahinden in der Sendung «Fenster zum Sonntag» auf SRF. Sie zeigt auf den fiktiven Tatort und erzählt begeistert aus dem Inhalt ihrer historischen Krimi-Trilogie «Die Uhrmacherin». Wochenlang war die Geschichte rund um die junge, aus gutem Hause stammende Sarah auf der Bestsellerliste zu finden. Wichtig ist für Claudia Dahinden (https://claudiadahinden.com), dass ihre Bücher aufbauend sind und wichtige Themen beinhalten. Dazu gehören Identität, Vergebung und sich mit der Vergangenheit versöhnen. Oder dass
man sich von der Vorstellung löst, die Erwartungen von allen anderen erfüllen zu müssen: «Natürlich möchte ich meine Leserinnen und Leser aber auch unterhalten und berühren, und etwas trockener Humor darf nicht fehlen.» Der neue historische Roman zeigt auch, wie jemand durch diese von Konflikten begleitete Entwicklung zur eigenen Berufung findet, erklärt Claudia Dahinden zum neuen Buch über die Schweizer Erweckungsbewegung anhand der Heilsarmee in der «Solothurner Zeitung». «Intensiv, spannend und wortgewaltig führt Claudia Dahinden mit ihrem Roman ‘Sein Wort auf den Lippen’ durch die Geschichte von Charlotte und geht dabei
auf viele spannende Themen ein», heisst es in eine Rezension.
Schreibtalent spät umgesetzt
Claudia Dahinden ist am Jurasüdfuss in Grenchen geboren und aufgewachsen. Klassenkameradinnen prognostizierten ihr bereits im Maturaheft eine Zukunft als Autorin von historischen Romanen. Doch lang deutete wenig darauf hin. Die an der Universität Fribourg studierte Historikerin Claudia Dahinden wurde über 40 Jahre alt, bis sie wieder den Mut zum Schreiben fand. 2013 hat sie einen Blog gestartet und regelmässige Beiträge über ihr Leben, Gott und die Welt geteilt. In den letzten Monaten ist die Zeit dafür etwas rar geworden, aber die Beiträge sind nach wie vor auf der Blogseite verfügbar. 2014 hat sie die CD–Musik-Produktion «Hier will ich bleiben» veröffentlicht. Ihr Schreibhandwerk hat sie in verschiedenen Seminaren und einem 18-monatigen Fernstudium an der Textmanufaktur Leipzig gelernt. Seit 2017 ist sie regelmässige «Stadtbummel»-Kolumnistin in der lokalen Tageszeitung «Grenchner Tagblatt». Es macht ihr grossen Spass, ihre Liebe zur Heimatstadt mit historischen Betrachtungen und einigen Seitenblicken auf aktuelle Ereignisse auf lokaler, nationaler und auch mal globaler Ebene zu verknüpfen.
Eine «Uhrmacherin»-Trilogie
Für ein Buch schlummerte eine Idee in ihr. Doch sie wollte es genau wissen und bat Gott um klare Führung. Sie wälzte ihre Zweifel und Ängste auf einem Spaziergang, als plötzlich ein klärender Gedanke alles durchquerte – und ihr Sicherheit gab. Claudia Dahinden wollte es nun wagen. Es folgten Jahre der Vorbereitung, des Studiums und des Ausprobierens. Zehn Jahre später veröffentlichte die Grenchnerin 2021 ihren ersten historischen Roman: «Die Uhrmacherin-im Sturm der Zeit» landete gleich auf Platz 1 der Schweizer Beststeller-Liste. Ihr Plan war eine «Uhrmacherin»-Trilogie, die das Schicksal einer zugewanderten Grenchnerin im 19. Jahrhundert in einen Krimi einbettet. 2022 erschien der zweite Roman und 2023 der dritte. Neben dem Glauben ist auch ihre Heimatstadt Grenchen zentral in den drei Bänden. Es
ist eine Hommage an ihre Heimatstadt und ihre Geschichte: «Zu wissen, wo wir herkommen, kann uns helfen, die Gegenwart zu verstehen. Damals standen zum Beispiel Auswanderungs-Inserate in unseren Zeitungen, weil die wirtschaftliche Lage so schwierig war. Das haben viele Schweizer vergessen.» Die Hauptfiguren im Roman sind fiktiv, leben aber in der wahren historischen Umgebung.
Grenchen und Glaube
Die Trilogie spielt 1873 und 1874. «Damals spielte der Glaube allgemein eine grössere Rolle als heute», erklärt Claudia Dahinden. «Im Kanton Solothurn war es die Zeit der Konflikte zwischen der Römisch-Katholischen Kirche sowie der neu entstehenden Christkatholischen Kirche.» In Grenchen wird die Protagonistin im Buch mit dem Konflikt konfrontiert. «Sie hat selbst auch Glaubenszweifel, da ihr Verlobter bei einem mysteriösen Unfall gestorben ist. Dadurch wird sie noch mehr mit Fragen rund um den Glauben konfrontiert.» «Schreiben heisst für mich, mein Herz zu teilen», sagt Claudia Dahinden. Auch ihr Herz für Gott und für Menschen. Glaube und Kirche spielen eine zentrale Rolle in ihrem Leben, auch in ihrer Anstellung als pastorale Mitarbeiterin der BewegungPlus Grenchen, einer evangelischen Freikirche.
Die schweizweite Bewegung hat pietistische und charismatische Wurzeln. Ihre Dienstschwerpunkte sind die Koordination der Lobpreisarbeit und die Bandleitung. Sie empfindet es als Privileg, ihre Freude am Gesang und an der Musik auch in der Kirche zu leben. Musik war ihr erster Weg zu Gott und ist immer noch eine der wichtigsten Zugänge in seine Gegenwart. Sie hatte mehrere Jahre Gesangsunterricht bei Claudia Moppert (klassischer Gesang), Xenia Zampieri (moderner Gesang) und Rhonda Dorsey (moderner Gesang). Ihre ersten Gitarrengriffe hat sie in ihrer Zeit als Wölflileiterin bei den Pfadfindern gelernt. «Mein Glaube ist mir seit über 20 Jahren nicht nur Quell der Hoffnung und
ein Kompass, der mich ausrichtet. Er ist auch die Kraft in meinem Leben, die mich verändert und befreit hat zu dem, was ich heute bin und tue. Ich werde nie aufhören, mir zu wünschen, dass andere Menschen erfahren, was ich erfahren habe.»
Herzlich, Markus Baumgartner