|
No images? Click here ![]() Helfen, ohne zu fragen wem
Das Historische Museum Baden präsentiert eine Sonderausstellung «Dem Samaritergedanken auf der Spur». Anlass ist das 125-Jahr-Jubiläum des Samaritervereins Baden. Das Thema wird in einem grösseren Zusammenhang dargestellt, die übergeordneten Werte «Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Menschlichkeit» durchziehen die gesamte Ausstellung. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter im Lukasevangelium (Kapitel 10, Verse 25-37) ist bis heute eine der bekanntesten biblischen Erzählungen. In der Geschichte hilft ein junger Mann aus Samarien einem nach einem Überfall verletzten Juden am Wegesrand. Das Gleichnis von Jesus gilt als Appell zur praktischen Nächstenliebe – Juden und Samariter gingen sich zur damaligen Zeit aus dem Weg. Die Wirkung der Geschichte hält bis heute an: Weltweit wird am Sonntag, 10. Juli, in jedem katholischen Gottesdienst diese Bibelstelle vorgetragen und nachgefragt. Im Gottesdienst in Baden geht Stadtpfarrer Josef Stübi im Rahmen seiner Predigt der Frage nach der Bedeutung des Gleichnisses in der heutigen Zeit nach. «Helfen, ohne zu fragen wem!», schrieb Henry Dunant (1828–1910) in seinen Erinnerungen zur Schlacht von Solferino angesichts des grossen Leids, dem er dort begegnete. Im Sinne des Zitats gehandelt hat der Mann aus Samaria, der barmherzige Samariter in der Bibel, der dem Überfallenen in der Wüste selbstlos das Leben rettete. Nächstenliebe und Barmherzigkeit – diese Werte liegen der Samaritergeschichte und Dunants Zitat zu Grunde. Diese Werte bildeten die Basis für die Gründung des Schweizerischen Samariterbundes, der seit 1912 offiziell Hilfsorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes ist. Nächstenliebe vs Individualismus Gerade mal neunzehn aktive Mitglieder zählt der Samariterverein Baden heute noch. Beim 100-Jahr-Jubiläum waren es noch 90. Sie sind vor allem bei Klein- und Grossanlässen im Einsatz. Die Ausbildung eines Samariters ist vom Interverband Rettung in drei Stufen eingeteilt. IVR 1 (Stufe Nothelferkurs), IVR 2 (ehemals Samariterkurs) und IVR 3 (ehemals Betriebssanitäterkurs). Wie können die Grundgedanken des Samariterwesens – Barmherzigkeit, Menschlichkeit und Nächstenliebe – im Zuge einer fortlaufenden Individualisierung der Gesellschaft weiterleben? «’Helfen ohne Fragen’ ist in jeder Kultur und Religion verankert», sagt Susanne Frei, Ärztin und Präsidentin des Samaritervereins zur «Aargauer Zeitung» und ergänzt: «In der Pandemie hat man gesehen, dass dieser Grundgedanke weiterlebt: Die Schweiz ist im März 2020 zusammengestanden – Nachbarschaftshilfen wurden gegründet, Helfer haben sich in den Spitälern gemeldet und Einschränkungen im persönlichen Alltag wurden zu Gunsten der älteren Generation akzeptiert». Nun, zwei Jahre später, sei der Individualismus wieder mehrheitlich zurückgekehrt. «Es geht uns gut. Gefahren wie Arbeitslosigkeit, finanzielle Engpässe sowie Krankheit und Tod sind wieder in den Hintergrund gerückt. Verständlich, dass das ‹Ich› und nicht das ‹Wir› wieder mehr im Vordergrund steht. Nur sollte man weiterhin alleinstehende ältere Nachbarn, finanziell schwach dastehende Alleinerziehende oder Flüchtlinge nicht vergessen», sagt die Präsidentin. Geschichte der Menschlichkeit Das Historische Museum Baden nimmt das 125-jährige Jubiläum des Samaritervereins Baden zum Anlass, um diesen gesellschaftlichen Werten nachzuspüren. Am konkreten Beispiel der Badener Samariter, mit zahlreichen Originalobjekten und eindrucksvollem Bildmaterial aus schweizerischen und europäischen Archiven, beleuchtet die Ausstellung die Herkunft des Samaritergedankens. Sie erinnert an eine etwas in Vergessenheit geratene Geschichte der Menschlichkeit und fragt nach der Zukunft des Samaritergedankens. Herzlich, Markus Baumgartner |
