Das Schweizer Wappen zeigt auf rotem Grund ein weisses Kreuz. Die quadratische Form macht sie zu einer Ausnahme unter den Flaggen, schreibt die Eidgenossenschaft. Zur Herkunft dieses Kreuzes, eines ursprünglich christlichen Symbols, liegen drei Deutungen vor. Die erste Version: Laut einer religiösen Entstehungstheorie hat das Wappen mit Schweizerkreuz seinen Ursprung in der sogenannten «Arma Christi». Sie bezeichnet in der christlichen Ikonografie die Leidenswerkzeuge von Christus, also jene Gegenstände, die im Zusammenhang mit der Passion und der Kreuzigung Jesu stehen. Sie wurden vor allem in der
Innerschweiz verehrt. Der Überlieferung nach durften sie ab 1289 auf das rote Blutbanner geheftet werden. Die zweite Version besagt, dass das weisse Kreuz auf die Schlacht bei Laupen im Kanton Bern im Jahr 1339 zurückgeht. Um sich von den anderen Akteuren auf dem Schlachtfeld zu unterscheiden, hatten sich die Schweizer Soldaten ein weisses Kreuz auf ihr Kettenhemd genäht. Einheitliche Uniformen gab es noch nicht. Damals diente es vor allem als Unterscheidung zum roten St. Georgskreuz der Österreicher und dem burgundischen Andreaskreuz der deutschen Landsknechte. Die dritte Version ist die wahrscheinlichste: Das rote Kreuz stammt von der Thebäischen Legion.
Ägyptische Armee im Wallis
Die Thebäische Legion mit angeblich 10’000 Männern war eine römische Soldateneinheit aus Ägypten im damaligen christlichen Nordafrika, deren Männer um das Jahr 300 in Saint-Maurice (VS) als Märtyrer starben. Ihr Anführer war Mauritius, der dunkelhäutige Maure, der Mohr. Er stand einer kampferprobten römischen Legion aus dem ägyptischen Theben vor. Unter Kaiser Maximilian sollten die Männer die Alpen überqueren und gegen die Christen im Norden kämpfen. Weil die Thebäische Legion selbst (koptische) Christen waren, weigerten sie sich bei Agaunum (heute Saint-Maurice) gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen. Als Strafe wurden alle Männer der Thebäischen Legion von den Römern umgebracht. Sie haben ihr Blut hingegeben, damit andere nicht sterben mussten. Die zwei
Legionäre Ursus und Victor entkamen nach Solothurn und wurden dort umgebracht. Um 380 transportierte der Bischof von Sitten, Theodul, die Überreste der Märtyrer unter die Klippe und errichtete dort zu ihren Ehren eine erste Basilika. Dieses Memorial ist in Saint-Maurice archäologisch nachgewiesen. Mauritius wurde zum Schutzpatron von Hunderten von Städten, Pfarreien, Kirchen und Institutionen in Europa und weltweit. So gibt es zahlreiche Kirchen, die dem Heiligen Mauritius geweiht sind. Sie alle zeugen in unterschiedlichen Stilrichtungen vom Einfluss des Märtyrers auf das Christentum. Sie sind katholisch, aber auch koptisch-orthodox, evangelisch-lutherisch oder anglikanisch und liegen zwischen Kalifornien und Neukaledonien.
Beten ohne Unterbruch
In Saint-Maurice hat sich daraufhin eine Gebetstradition entwickelt. Wo Blut vergossen wurde, da beginnen sie zu beten. Ab 500 bis 800 nach Christus wurde dort ein «ewiger Lobpreis» 24 Stunden/7 Tage durchgeführt. Als Symbol wurde das Wappen der Kopten, ein gleichschenkliges Kreuz, das Plus übernommen: ein roter Grund mit einem gleichschenkligen Kreuz, das auf die Auferstehung hinweist. Aus der Gebetsbewegung hat sich in Saint-Maurice ein Kloster, eine Abtei der Augustiner entwickelt. Es gilt als ältestes Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbrechung besteht. Sie trägt das Kreuzwappen bis heute. Im Spätmittelalter wurde ihnen ein rotes Banner mit weissem Kreuz zugeschrieben, als Zeichen ihres Martyriums. Diese Interpretation trug dazu bei, dem Schweizerkreuz eine christliche Deutung zu geben.
Seit 1848 offiziell verwendet
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts bezeichneten die Menschen das weisse Kreuz als eidgenössisches Kreuz und begannen, es auch im zivilen Bereich zu verwenden, beispielweise auf Patenpfennigen der eidgenössischen Orte. Im Jahr 1547 beispielsweise schenkten die Eidgenössischen Stände einen solchen Pfennig Prinzessin Claudia, der neugeborenen Tochter des französischen Königs Henri II. General Niklaus Franz von Bachmann führte ab 1800 bei seinen Truppen das weisse Kreuz auf rotem Grund als Feldzeichen ein. Es wurde 1815 schwebend, gleichschenklig und umgeben von den Kantonswappen von der eidgenössischen Tagsatzung zum Symbol des eidgenössischen Siegels bestimmt, das beim Bundesvertrag 1815 zum ersten Mal verwendet wurde. Auf Betreiben vom Generalstabschef der Eidgenossenschaft, Guillaume Henri Dufour, wurde erstmals 1840 eine
gesamtschweizerische Truppenfahne mit dem frei schwebenden, weissen Schweizerkreuz im roten Feld geschaffen. In seinen Anfängen war das Kreuz nicht schwebend, sondern durchgehend, so wie noch heute bei den Fahnen der nordeuropäischen Länder. 1848 wurde die rote Flagge mit dem weissen Kreuz endgültig in der Verfassung festgeschriebenes Hoheitszeichen des Landes
Herzlich, Markus Baumgartner