Beirut in den 1970er-Jahren: Raketen fliegen durch die Luft und schlagen krachend ein. Bewaffnete Männer ziehen durch die Strassen, Libanon befindet sich im Bürgerkrieg. Mittendrin ein kleines, ängstliches Mädchen, das durch die apokalyptische Szenerie irrt und seine Mutter sucht. Die Kindheit von Florida Zimmermann war ein einziger Zerriss und Zerbruch: heimatlose Kindheit im Mittleren Osten und in Europa, der Vater unbekannt. Sie geriet in die Fänge radikaler muslimischer Gruppen. Ihre Kindheit war geprägt von Missbrauch und Entwurzelung. Glücklicherweise führt ihr Lebensweg als Zehnjährige in die Schweiz.
Alles wurde zu viel
Florida Zimmermann war zehn Jahre alt, als sie zu einer Pflegefamilie in die Schweiz kam. Die Suche nach Sicherheit ging jedoch weiter, denn innerlich nagten Ängste und Todessehnsucht. So glücklich sie war, so schnell holten sie die depressiven Verstimmungen wieder ein. Die Teenagerin schlittert in eine Identitätskrise. Sie stellt sich existenzielle Lebensfragen. Ihre Schokoladensucht trieb sie in eine Krankheit: Mit 21 Jahren wurde bei ihr Diabetes diagnostiziert. Kurz darauf ging eine Liebesbeziehung in die Brüche und ein guter Arbeitskollege starb. «Plötzlich wurde mir alles zu viel, ich sah keinen Ausweg mehr, ich wollte diese Welt endgültig verlassen», erklärte sie auf SRF. Mit einer Überdosis Insulin geht sie an die Aare und wollte ihrem Leben ein Ende setzen. Der Suizidversuch scheiterte – zum Glück, sagt sie heute. Spaziergänger fanden sie ohnmächtig am Aareufer, kurze Zeit später erwachte Florida Zimmermann im Spital. Ein böses Erwachen, sagt sie: «Es ging mir miserabel und ich schämte mich. Nun wusste mein Umfeld auch noch, wie es wirklich um mich stand.» Doch sie sass in der Klinik auf dem Bett und spürte, dass Gott bei ihr war und ihr nochmals eine Chance gab. Sie antwortete: «Gott, ich finde kein Ja zum Leben. Aber was ich geben kann, ist ein Nein zum Sterben.» Sie packte die zweite Chance
Vergangenheit sauber aufarbeiten
Es folgte eine beinahe euphorische Lebenslust zu Hiphop, Motorradfahren, Klettern und zuhause auszuziehen. Die Phase endete im Burnout, schreibt der «Klettgauer Bote». Endlich arbeitete sie mit Hilfe einer Therapeutin alles Negative auf. Florida Zimmermann sprach viel mit Gott. Sie sagte zu ihm, dass er sie beim Weg zurück ins Leben unterstützen soll. «Durch diesen Halt, den Glauben an Gott und die Gespräche mit der Therapeutin konnte ich die Vergangenheit aufarbeiten und fand wieder aus dem Loch», sagte sie in einem Interview auf «SRF Fenster zum Sonntag». Die heute 51-jährige ausgebildete Pflegefachfrau betreut mit ihrem Mann seit 2006 Jugendliche in
schwierigen Situationen. Sie betreiben zusammen das «Offnigs Huus» in Bremgarten bei Bern. Es ist eine Lebensgemeinschaft für junge Erwachsene, um ihnen Annahme und ein Zuhause zu bieten. «Ich musste lernen, dass ich nicht verantwortlich bin für die Heilung der Menschen, die wir begleiten», sagt Florida Zimmermann. Wer einzieht, darf selbst entscheiden, wie lange er dort wohnt. Die jungen Mitbewohner setzen sich neue Ziele für ihr Leben und schauen vor allem nach vorne.
Über das Leben von Florida Zimmermann ist eine Biografie erschienen: Florida Zimmermann, Andrea Specht: Die Durchbrecherin. Hänssler, 248 Seiten, ca.
Fr. 25.– / ISBN 978-3775159241. Sie ist mit Interviews und Vorträgen häufig in Kirchgemeinden präsent.
Herzlich, Markus Baumgartner
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