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Als Glücksdetektive die Welt entdecken

Seit mehr als vierzig Jahren ist Bruder Paulus Kapuzinermönch. Er hatte auch schon als Prediger, Therapeut, Seelsorger, Autor, Sprachkünstler, Dichter, Moderator, Coach und Manager gewirkt. Sein breites Interesse für gesellschaftliche Fragen äussert sich auch in seinem Engagement als Buchautor und TV-Moderator.  Kürzlich hat er ein Buch veröffentlicht zu Fragen des Alltags: «Geht’s noch, Gott?» heisst es. Paulus Terwitte Ist tief verwurzelt im Glauben und unglaublich frei im Geist. Auf fast schon freche Art fordert er uns heraus, die Wirklichkeit aktiv zu gestalten und wieder ganz neu mit der Zukunft zu rechnen. Er möchte, dass Menschen als Glücksdetektive durch die Welt gehen.

 

Schon mit 19 Jahren nach dem Gymnasium wurde Paulus Terwitte Kapuziner und ging ins Kloster. Nach dem Theologiestudium empfing er 1985 mit 26 Jahren die Priesterweihe. Das Christentum war für ihn ein Freiheitsweg, der ihn wegführte aus den Zwängen von Biologie und Biografie und ihn hinführt «zu dem Originalmenschen, diesem Jesus»: «Ich wollte so ein Originaler werden. Das war bei einem Jugendwochenende. Abends habe ich gesagt: Hier bleibe ich. Das war Liebe auf den ersten Blick», erklärte er in einem Interview.  Kapuziner sind ein sogenannter Bettelorden. Der Orden geht auf Franziskus von Assisi zurück. Die Kapuziner sind gottverbunden, schöpfungsorientiert und fühlen sich dem Dienst am Menschen verpflichtet – man sagt ihnen Volksnähe nach, aber auch die Liebe zu klaren Worten. Paulus Terwitte ist von Franz von Assisi begeistert: «Seine grosse Inspiration war, dass göttlich ist, wenn ich fähig werde, zu einem anderen zu sagen: Ohne dich kann ich nicht sein, ich brauche dich. Die franziskanische Armut ist ein franziskanischer Reichtum, nämlich die Erkenntnis: Ohne den anderen bin ich nichts.»

Aus der Stille leben

Ganz wichtig ist für Bruder Paulus die Stille: «Sie ist der Anfang des Staunens, sie macht demütig. Stille kann unheimlich werden, weil sie so viel in einem weckt. Das ist ein sehr herausfordernder Ort, den man erst mal aushalten muss. Man muss den Aus-Knopf in dieser aufgeregten Welt erst mal finden.» Daher sei nichts schöner als die Stille, weil man intensiver fühlt, intensiver denkt, intensiver traurig ist, intensiver glücklich ist. Paulus Terwitte bezeichnet die Raupe und den Schmetterling als Urbild vom Leben: «Ich krieche manchmal herum und hoffe, dass bald ein Schmetterling herausfliegt, der neue Perspektiven bringt. Auch ein 94-Jähriger, der mit seinem Rollator nur noch fünf Minuten gehen kann in seiner betreuten Wohnanlage, kann noch lächeln oder Leute einladen. Auch, wenn man nur noch seine Augenlider bewegen kann, kann man Freude bereiten. Jeder Mensch ist eine Kreativitätsagentur des Heiligen Geistes.»

Das Leben ist wie eine Achterbahn

«Gott will das Beste für mich – das aber ist nicht immer so, wie ich mir das vorstelle. Es ist trotzdem gut», findet Paulus Terwitte: «Wir müssen lernen, die Tränen, die Trauer, die Aggression, den Ärger über das, was jetzt gerade passiert, ernst zu nehmen und nicht wegzupacken. Das Leben ist wie eine Achterbahn. Wenn ich Trauerfeiern halte, auf Beerdigungen bin, erlebe ich andere Kulturen, die können das richtig toll. Wenn so eine Community vorbeikommt, da geht die Post ab, die Menschen klagen, schreien und jammern in ihrer Trauer. Ich freue mich daran, da ist Leben in der Bude.» 

Paulus Terwitte möchte, dass Menschen als Glücksdetektive durch die Welt gehen. Wie geht das? Viele Menschen sagen heute: Ich habe fertig. Nichts sei schrecklicher als das.

Sie gehen zum Beispiel aus dem Haus, um Gänseblümchen zu finden. Es sind aber leider nur Stiefmütterchen da. Dann gehen sie traurig nach Hause, weil sie nicht fanden, was sie erwartet hatten. Andere erwarten von ihren Enkeln, dass sie so und so oft anrufen, dieses und jenes schreiben oder machen. Sie sind die ganze Zeit enttäuscht, wenn das nicht passiert. Dabei übersehen sie, dass das Enkelkind schon drei Mal gefragt hat: «Oma, willst du nicht ein Smartphone haben?« Was Oma brüsk abgelehnt hat, statt zu erkennen, dass das der Weg des Enkelkindes zu ihr wäre. 

Zweifel hilft beim Weitersuchen

Paulus Terwitte hat beobachtet, dass sich alle Menschen für superreflektiert und in ihren Überzeugungen gefestigt halten: «Ich glaube, dass der Zweifel, den ich in meinem Leben habe, an dem, wovon ich überzeugt bin, mich immer auf die Spur gesetzt hat, weiterzufragen und weiterzusuchen.» Bruder Paulus hat gerne mit evangelischen Kolleginnen zusammengearbeitet. Sechs Jahre war er in der Klinikseelsorge in Gera in Thüringen. «Wir waren zutiefst überzeugt, dass es Hoffnung gibt für die Menschen, auch wenn viele dort das nicht annehmen konnten. Sie haben eine tiefe spirituelle Grundlegung, die in einem sehr persönlichen Verhältnis zu diesem Jesus von Nazareth verwurzelt ist und eine klare Entschiedenheit, Glaube und soziales Handeln in Einklang zu bringen. Die Telefonseelsorge in Gera wurde von der Freikirche gegründet, die Notfallseelsorge kommt aus der evangelischen Welt. Da ist eine grössere Selbstverständlichkeit, karitativ tätig zu werden. Da war ich immer begeistert.»

Danach sandte ihn der Orden 1998 als Guardian in das Kapuzinerkloster nach Frankfurt. Er wirkte als Grossstadtseelsorger und wurde durch die Nähe Frankfurts zur Bankenwelt häufig zu Seminaren für Ethik und Wirtschaft eingeladen. Dort war er mit einem Unterbruch tätig und unter anderem auch Leiter des dortigen Franziskustreffs, einer Hilfseinrichtung für wohnungslose Menschen und Anbieter von günstigen Mahlzeiten für Obdachlose. In den digitalen Medien trat Paulus Terwitte zuerst mit einem täglichen Newsletter zu einer Schlagzeile der Tageszeitung «Bild» hervor, den er von 2000 bis 2005 am frühen Morgen per E-Mail versandte. Darin stellte er den banalen Aussagen der Boulevardzeitung jeweils ein Bibelwort gegenüber. Von 2002 bis 2014 beantwortete Bruder Paulus Fragen zu aktuellen Themen in der Radiosendung des hessischen Rundfunks HR4 «Radioladen», einer Schwerpunktstunde zu Glauben und Leben.  Von 2002 bis 2010 diskutierte er in seiner eigenen Talksendung in der Reihe N24 Ethik «Um Gottes Willen» über ethische und moralische Zeitfragen.  Er tritt auch häufig als Gesprächspartner in Talkshows des Fernsehens auf. 

Paulus Terwitte: Geht‘s noch, Gott? Antworten auf grosse Fragen. Authentisch und aufrichtig: Denkanstösse und Impulse, die bei Grundsatzfragen, Zweifeln und Alltagsproblemen weiterhelfen. Bonifatius-Verlag. 208 Seiten, 18 Euro. ISBN-13: 978- 3-89710-911-7. 

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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