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Kindheitstraum: Junge Frau geht ins Kloster 

 

Im Tessin ist die jüngste Ordensschwester in den ältesten Konvent eingetreten. Ihre Berufung und ihr Werdegang sind aussergewöhnlich. Nach der SBB-Lehre geht die 21-jährige Tessinerin Daniela Vincenzi ins Kloster Santa Maria Assunta in Bellinzona. Sie hat sich dabei ihren Kindheitstraum erfüllt. Arbeit und Gebet werden im Mittelpunkt ihrer Tage stehen. 

 
 

Am 18. Januar 2026 wurde Daniela Vincenzi zu Schwester Maria Anselma. Der heilige Anselm war Erzbischof von Canterbury (1033–1109) und lehrte, dass der Glaube vernünftig ist und Denken ohne Gebet unvollständig bleibt. Mit dem Gelübde «Suscipe me, Domine, secundum eloquium tuum et vivam» (Nimm mich auf, Herr, nach deinem Wort, und ich werde leben) wurde sie Klausurschwester bei den Benediktinerinnen. Die aus Claro stammende Daniela Vincenzi wuchs neben dem Kloster auf und war schon immer von diesem Ort fasziniert. Es war ihr Kindheits- und Jugendtraum, und doch rieten ihr alle davon ab: ihre Mutter, aber auch die kleine und alternde Klostergemeinschaft. «Es hat jedoch genügt, Daniela zu treffen, um zu verstehen, dass sie keine Spässe machte», erklärte Weihbischof Alain de Raemy. «Ich stelle fest, dass die Wege Gottes unergründlich sind.» Das Kloster Santa Maria Assunta wird seit 1490 ununterbrochen von Klausurschwestern bewohnt und ist somit das älteste aktive Kloster im Tessin. Die Ankunft der Novizin ist ein Grund «zu grosser Freude und heiligem Stolz», heisst es, und man bittet, «für Schwester Maria Anselma und für die ganze Gemeinschaft zu beten», berichtet «20 Minuten».

Berufung schon in der Primarschule
Daniela Vincenzi ist die zweite von sechs Töchtern und durfte erst als Volljährige Nonne werden. Also absolvierte sie zuerst eine Lehre als Kundenbegleiterin bei der SBB und trat an ihrem 18. Geburtstag, am 26. Dezember 2022, ins Kloster ein. Die anderen Schwestern könnten ihre Grossmütter oder gar Urgrossmütter sein. Zunächst wurde die junge Frau für das Noviziat zu den Benediktinerinnen nach Rosano bei Florenz geschickt. Sie erzählt in einem Interview im Tessiner Fernsehen RSI, wie es zu ihrer Berufung kam: «Da ich in Claro aufgewachsen bin und jeden Tag das Kloster auf dem Felsen sah, war ich immer neugierig auf diesen Ort. Eines Tages – ich ging noch in die Primarschule – traf ich im Bus eine Nonne. Ich fragte sie gespannt, was ihr Leben ausmache, was sie tue. Sie antwortete, sie sei Braut Christi und tue alles für Ihn, richte alle Aktivitäten auf Gott aus. In diesem Moment war ich mir sicher, welchen Weg ich gehen sollte, meine Berufung: mich Gott zu schenken. Voller Begeisterung verkündete ich zu Hause meinen Eltern: ‹Ich will Nonne werden!›»

Das klösterliche Leben heute 
Im Klausurkloster der Benediktinerinnen lebt man abgeschieden, arbeitet schweigend und beginnt schon vor Sonnenaufgang mit Beten. Gemäss dem benediktinischen Charisma stellen die Ordensfrauen das Gebet und die Arbeit in den Mittelpunkt ihres Alltags, erklärt Schwester Maria Anselma. «Das Gebet ist eine lebendige Begegnung mit Gott. Auch wenn es sehr unterschiedliche Formen annehmen kann – Anbetung, Danksagung, Lobpreis, Flehen, Bitte um Vergebung –, beruht es immer auf einer lebendigen Beziehung zu Gott, die uns immer mehr die Wahrheit über uns selbst offenbart.» Die Momente der Einkehr wechseln ab mit praktischer Tätigkeit: Stickerei, Produktion von Honig und Biscuits, Restaurierung von Büchern usw. Der Verkauf dieser Produkte und Leistungen dient dem Lebensunterhalt der Nonnen

Nicht einzigartig, aber immer seltener
Der Fall ist nicht einzigartig, aber er wird immer seltener: Laut Juliette Avanthay, Sekretärin des Westschweizer Zentrums für Berufungen in Freiburg, ist der Eintritt junger Frauen in die Klausur in den letzten Jahren ein eher seltenes Phänomen geworden. Es gebe aber noch immer junge Menschen, die sich dafür entscheiden, «ihr Leben Christus zu geben».

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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