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Geistliches Angebot schwebend auf 2500 Metern

 

Eines muss man katholischen Priestern lassen: Sie fallen immer wieder mit originellen Aktionen auf. Nach dem Motto «Wenn die Leute nicht mehr in die Kirche kommen, dann geht die Kirche zu ihnen» nimmt ein Priester in Frankreich den Gästen auf dem Skilift in luftiger Höhe die Beichte ab. Wenn Sie im Skigebiet von Val-Cenis in den französischen Savoyen unterwegs sind und einem Priester auf einem Sessellift begegnen, beichten Sie – in 2500 Metern Höhe werden Sie vielleicht leichter Vergebung finden.

 
 

Das Angebot ist weit entfernt vom traditionellen Rahmen einer Kirche: Auf über 2500 Metern Höhe hat Pater Geoffroy Génin seinen traditionellen Beichtstuhl gegen einen zwischen Himmel und Schnee schwebenden Sitz getauscht: Er bietet Skifahrern die Möglichkeit, während der Fahrt zu den Pisten zu beichten. Der 69-jährige hört zuerst zu. Dann können die Skifahrer während der Fahrt hinauf zu den Pisten ihre Beichte ablegen. Einmal im Monat, eine Woche lang, bietet der Priester diesen Dienst an. Er zieht seine Skis und seine Daunenjacke mit dem Logo der Pfarrei an und setzt sich auf den Sessellift. So fährt er den ganzen Vormittag hin und her. Der Priester hört die Beichten aller an – Gläubige wie Nicht-Gläubige. Im Durchschnitt beichten fünf bis sechs Personen jeden Vormittag während einer Woche im Monat, in der Weihnachtszeit und kurz danach. Manchmal sind diese Begegnungen auch einfach ein Austausch ohne Beichte, besonders wenn die Leute nicht gläubig sind.

Neue Form der Nähe
Seine Pfarrei Notre-Dame de l’Alliance umfasst Kirchen in zahlreichen Berggemeinden, wo sich die Bevölkerung mit dem Eintreffen der Feriengäste manchmal verdoppelt. Diese Initiative zeigt eine neue Form der Nähe zwischen Geistlichen und Touristen, die einen Moment der Besinnung inmitten der Natur suchen. Das Beichtformat kommt gut an. Vor allem bei Touristen. «Wir haben viele Stadtbewohner, Pariser, Einwohner von Versailles, manchmal auch recht traditionalistische Gläubige», versichert der Priester. Zwischen der Stille der Gipfel und dem Alpenpanorama sagen einige Beichtende, dass sie sich «leichter fühlen, um die Pisten hinunterzufahren».

Auf das Wesentliche kommen
Der Priester versichert, dass die Beichte von niemandem in der Umgebung mitgehört wird. Die Fahrt mit dem Sessellift hinauf zu den Pisten ist schnell – die Beichte dauert nur sechs bis sieben Minuten. Das ermöglicht der Person, «direkt zum Wesentlichen dessen zu kommen, was sie ausdrücken möchte», erklärt Geoffroy Génin, der erst im Alter von 43 Jahren zum Priester geweiht wurde. Falls die Zeit nicht reicht, «fahre ich mit der Person ein zweites Mal hoch», fügt der Pater hinzu. Um leicht erkannt zu werden, trägt er ein rotes T-Shirt über seinem Mantel. «Ich erkenne leicht die Personen, die mich suchen, als wären wir auf derselben Wellenlänge», versichert er. Seiner Meinung nach bietet die Bergkulisse, umgeben von verschneiten Tannen, den Beichtenden einen entspannteren Moment. Der Priester erinnert daran, dass das Bild der Berge in der biblischen Geschichte allgegenwärtig ist, schreibt TeleFrance1. Der Priester ist zu einem Medienereignis in Frankreich geworden: So schreiben weitere französischen Medien wie Midi Libre, Le Dauphine libéré und France 3 Régions über ihn. Pater Geoffroy Génin will mit dem Angebot weiterfahren: «Beichten passt gut zum Skifahren, weil die Berge einem erlauben, Höhe zu gewinnen und Abstand zu erhalten. Und Beichten ist nicht traurig oder tränenreich. Im Gegenteil, es erleichtert das Herz.»

Herzlich, Markus Baumgartner

P.S. Sie können weiter abstimmen (zur Award-Umfrage) und sich für das Dienstagsmailfest vom 15. März anmelden (Mail an info@dienstagsmail).

 
 
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