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Foto Bistum Essen

Gefragtes Podium zum Beten

Über die Macht und Ohnmacht des Gebets

 
 
 

Grosses Interesse an der Podiumsdiskussion unter dem Titel «Macht und Ohnmacht des Gebets?!»: 160 Gäste besuchten das prominent besetzte Podium im Kulturhaus Odeon in Brugg. 

«Das Thema Gebet bewegt», titelt dieAargauer Zeitung». «Da hat es ja mehr Leute als in der Kirche», bemerkte ein Besucher der Podiumsdiskussion. Tatsächlich wurde es im Kulturhaus Odeon eng: Das Thema des vom Pastoralraum Brugg-Windisch organisierten Anlasses – «Macht und Ohnmacht des Gebets?!» – schien offensichtlich zu bewegen.Vielleicht lag es auch an der Zusammensetzung des Podiums: Unter der Gesprächsführung von Jürgen Heinze (Spitalseelsorger Baden) setzen sich Schwester Zita Estermann (Generaloberin der Baldegger Schwestern); Humanistin Ruth Thomas (Vorstand der Freidenker-Vereinigung Schweiz); Beat Schulthess (Leiter Heilsarmee Zürcher Oberland) und der auf Sekten- und Glaubensfragen spezialisierte Journalist Hugo Stamm mit dem Thema auseinander. 

Aber was ist es nun, dieses Gebet? Schwester Zita Estermann zitiert den deutsch-französischen Arzt und Philosophen Albert Schweitzer: «Gebete verändern die Welt nicht. Gebete verändern die Menschen, und die Menschen verändern die Welt.» Sie gibt zu bedenken, dass das Gebet nicht immer eine Bitte sein müsse, sondern auch Dank zum Ausdruck bringen könne. Dem hält Ruth Thomas entgegen: «Für mich wäre das Gebet allein zu wenig. Abgesehen davon, dass es den Glauben an eine Gottheit voraussetzt.» Für Beat Schulthess ist das Gebet sehr wichtig und ein wichtiger Teil seines Glaubenslebens. Hugo Stamm dagegen räumt ein: «Ich kann dem Gebet nichts abgewinnen. Das Gebet mag einen gewissen Trost vermitteln. Aber es ist ein trügerischer Trost.» «Damit», so Jürgen Heinze, «könnten die Standpunkte nicht unterschiedlicher» sein. Und diese Standpunkte, so zeigt es sich im Laufe des Abends, sind offensichtlich unverrückbar zementiert, schreibt die «Aargauer Zeitung» weiter.

Erwartungsgemäss taucht in der Diskussion rasch die grundsätzliche Frage nach der Existenz eines Gottes – dem Adressaten eines Gebetes – und dem Gottesbild auf, was im Publikum Emotionen hörbar werden lässt. «Für mich ist Gott ein barmherziger Gott, dem ich vertraue und von dem ich hoffe, dass er mir den richtigen Weg zeigt», erklärt Schwester Zita Estermann. Für Hugo Stamm dagegen ist «das Gottesbild, das wir kultivieren, kindlich». Auch den Heilungen durchs Gebet, wie sie von Beat Schulthess ins Gespräch gebracht werden, steht Hugo Stamm sehr skeptisch gegenüber. «Solche Heilungen konnten nie wissenschaftlich bewiesen werden», erklärt er. «In Freikirchen passieren solche Heilungen ständig. Es gibt zwar unerklärliche Spontanheilungen. Sie haben aber nichts mit dem Glauben zu tun.»

Für den versöhnlichen Schluss sorgt Simon Meier, Leiter des Pastoralraum Region Brugg-Windisch der Römisch-Katholischen Kirche: «Das breite Denken ist beeindruckend», stellt er fest, empfiehlt das Paulus-Wort «Prüfet alles und das Gute behaltet» und sagt zu den Zuschauern gewendet: «Offensichtlich ist das Gebet etwas, das einem nahe kommt.»

Herzlich, Markus Baumgartner

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