|
No images? Click here ![]() 80 Jahre Ragusa
Der Schokolade-Riegel Ragusa ist Teil der Schweizer Zeitgeschichte und feiert nun 80 Jahre. Die Marke Ragusa ist vermutlich das positivste Produkt, das aus der Kriegssituation vor 80 Jahren hervorgegangen ist. Der Familienbetrieb Camille Bloch hat sich stets für die Anliegen der jüdischen Gemeinschaft eingesetzt. Die Schoggi-Fabrik von Camille Bloch befindet sich in Courtelary, mitten im Vallon de Saint-Imier im Berner Jura. Im ersten Stock der Camille-Bloch-Fabrik rattern die Ragusa-und Torino-Schokolade vom Band. Firmenpatron Daniel Bloch (58) hat kürzlich in Georgien 650 Hektaren Land gekauft und will dort eine Haselnuss-Plantage aufziehen. «Beim Projekt in Georgien geht es darum, dass wir die besten und natürlichsten Haselnüsse für die Ragusa erhalten. Künftig können wir die Qualität direkt kontrollieren», erklärt Daniel Bloch gegenüber der «Berner Zeitung». Für die Produktion werden bereits jetzt 700 Tonnen pro Jahr Haselnüsse bezogen. Den Kakao bezieht Camille Bloch aus Ghana und Peru. Dialog zwischen Juden und Christen 1929 gründete der jüdische Kaufmann und Schokoladenhändler Camille Bloch im Berner Mattenhofquartier das Unternehmen «Chocolats et Bonbons fins Camille Bloch». Er lancierte das Produkt während dem Zweiten Weltkrieg aus einer Not heraus: Weil aus Afrika fast kein Kakao mehr zu kriegen war, ersetzte er diesen mit Haselnusspulver. Dazu definierte er mit der Riegelform etwas völlig Neues, dem er noch einen Fantasienamen gab. Den Namen – in allen Landessprachen mühelos auszusprechen – hatte Camille Bloch von einer Ferienreise aus dem kroatischen Dubrovnik mitgebracht, das im Mittelalter Ragusa hiess. Sein Sohn Rolf übernahm später und war nicht nur bekannter Unternehmer. Rolf Bloch war auch Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. 1997 ernannte ihn der Bundesrat dann zum Präsidenten des von Schweizer Banken gegründeten Entschädigungsfonds für Opfer des Holocausts. Er prägte den Satz: «Gerechtigkeit für die Juden und Fairness für die Schweiz.» Die christkatholisch-theologische Fakultät der Universität Bern verlieh Rolf Bloch einen Ehrendoktortitel, weil er «das religiöse Gespräch zwischen Juden und Christen in unserem Land gefördert» hat. Sinn im Konsum Daniel Bloch führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Wegen Corona ist der Umsatz 2020 um rund 10 Millionen auf 50 Millionen Franken gefallen. Während des ersten Lockdowns sank der Umsatz plötzlich um 50 Prozent. «Da galt es, Ruhe zu bewahren. Und ich war gezwungen, anstatt über Zukunftsprojekte zu sinnieren, mich wieder um die unmittelbaren operativen Probleme zu kümmern.» Für 2021 rechnet er mit einem Umsatz von 55 Millionen Franken, damit hätten sie die Hälfte des Verlusts aufgeholt. Das gelang vor allem, weil die Ragusa-und Torino-Tafeln neu auch bei der Migros erhältlich sind. Bei McDonald’s gibt es die McFlurry-Eiscrèmes neu mit Ragusa-Topping. Und es wurde die Snack-Linie «So Nuts» lanciert. «Die Käufer entwickeln bei aller Unterschiedlichkeit zunehmend eine Suche nach Sinn in ihrem Konsum. Als bekannte Marke Camille Bloch geniessen wir hier Vertrauen, weil wir genau wissen, woher unsere Rohstoffe kommen und für das geradestehen können, was wir tun», erklärt Daniel Bloch der Zeitung «Tachles». Speisegesetze der alten Israeliten Die Stärke von Camille Bloch mit ihren rund 170 Mitarbeitenden ist das Alltagsgeschäft. Daniel Bloch: «Es braucht keinen Feiertag, um sich ein Ragusa oder Torino zu gönnen. Das ist auch viel planbarer und stabiler.» In den USA fokussiert sich Camille Bloch ausschliesslich auf den koscheren Markt. Der Koscher-Stempel garantiert, dass das Milchpulver nur aus Kuhmilch besteht und nicht etwa mit verbotener Esel-, Schweins- oder Stutenmilch vermischt ist. Da gibt es eine gewisse Überschneidung mit anderen Bedürfnissen, etwa von veganen Kunden oder solchen mit Milchallergien. Da es in den jüdischen Speisegesetzen wichtig ist, Milch und Fleisch streng zu trennen, gibt es Schokoladen ohne Milch. Diese Sorten sind automatisch auch vegan. Unter Aufsicht eines Rabbiners wird die koschere Schoggi für jüdische Konsumenten hergestellt. Die genaue Kontrolle der Rohstoffe, die garantierte Rückverfolgbarkeit: die Speisegesetze der alten Israeliten erinnern frappant an moderne Qualitätssicherungsmassnahmen, denen sich Lebensmittelhersteller heute unterwerfen müssen. Herzlich, Markus Baumgartner P.S. Sie können noch bis Donnerstag Ihre Stimme für den Award abgeben. |
