CNM
  • Services
    • Seminare
    • Referate
    • Beratungen
    • Praxisbuch
    • Checklisten
    • Vorlagen
  • Dienstagsmail
    • Dienstagsmail
    • Anmeldung
    • Award & Fest
    • Archiv
  • Über uns
    • Wer ist cnm
    • Video
  • Kontakt
Select Page

No images? Click here

300 Jahre unter des Herrn Hut

Einige wenige Worte aus der Bibel verbinden Tag für Tag weltweit Menschen unterschiedlicher Konfession, unterschiedlicher Kultur und unterschiedlicher Frömmigkeit: die Losungen. Sie sind ein Andachtsbuch und erscheinen in mehr als 60 Sprachen. Sie legen bei weit über einer Million Menschen auf dem Frühstückstisch. Der Inhalt erscheint auch auf dem Smartphone oder ist die erste Email-Nachricht des Tages. Jetzt feiert der Herkunftsort Herrnhut das 300-Jahr-Jubiläum. Von dort bekannt sind auch die Herrnhuter Weihnachtssterne.  

 

Alles geht zurück auf Nikolaus Graf von Zinzendorf: Unter den christlichen Persönlichkeiten der neueren Zeit hat Zinzendorf im Protestantismus eine hervorragende Bedeutung: Als das religiöse Bewusstsein der Gebildeten im 18. Jahrhundert auffällig verflachte, übte er eine weit reichende Gegenwirkung, ja Gegenreformation aus. Sein Einfluss wirkt bis heute nach, wie das ganze Leben und Weben der Herrnhuter Brüdergemeinde zeigt. Karl Barth zufolge war Zinzendorf der erste, ganz von der Sache aus denkende und redende Ökumeniker. Es wird von ihm auch berichtet, dass er der beste Degenfechter in Dresden gewesen sei. In Paris gab man ihm das feurigste Pferd, in der Hoffnung, dass der deutsche Graf gedemütigt würde, indem das Pferd ihn abwirft. Er konnte sich natürlich auf dem Pferd halten.

Gründung einer Kolonie

Zinzendorf  gehörte zum europäischen Hochadel und stammt aus einem alten niederösterreichischen Dynastengeschlecht. Ein Zweig wurde protestantisch und musste um ihres evangelischen Glaubens willen Österreich verlassen. Zinsendorf hätte gerne Theologie studiert, was aber in einer Familie von Militärs und Regierungsbeamten nicht denkbar war. So studierte er 1716 bis 1719 in Wittenberg Rechtswissenschaft und wurde 1721 Hof- und Justizrat in Dresden. 1722 heiratete Zinzendorf eine auch vom Pietismus geprägte Frau und kaufte von seiner Grossmutter das Gut Berthelsdorf. Auf diesem Gut bot er im Herbst 1722 Religionsflüchtlingen aus der Böhmischen Brüderkirche eine Zuflucht und nannte ihren Siedlungsplatz Herrenshut, woraus dann Herrnhut wurde – unter der (Ob-)Hut des Herrn. Weitere Flüchtlinge aus Mähren kamen hinzu, später auch sächsische Lutheraner, die mit der katholischen Obrigkeit in Konflikt geraten waren. 1727 gab er seinen Beruf auf und widmete sich ganz der inzwischen auf 300 Menschen angewachsenen Kolonie. Heute zählt Herrnhut 6000 Einwohner und feiert das 300-Jahr-Jubiläum.

Wunder und Erweckung

Zwischen den verschiedeneren Gruppen dort gab es erhebliche Spannungen, weil die ersten Siedler ganz unterschiedliche Frömmigkeitsstile mitbrachten, wie das Mitteldeutsche Fernsehen MDR berichtet. Im August 1727 wurden die Spannungen auf wundersame Weise durch eine gemeinsame Abendmahlsfeier bei Pfarrer Johann Andreas Rothe aufgehoben. Nach dieser Erweckung war der Streit verflogen. Zinzendorf erarbeitete nun eine Ordnung für die Brüdergemeine:  Jeder Tag begann mit einer Morgenandacht und endete mit einer Singstunde, am Sonntag gab es den Gemeindegottesdienst.

Neue liturgische Formen wie Liebesmahle, Fusswaschung, Stundengebete rund um den Tag wurden praktiziert. Am Anfang wurden in der Gemeinde verschiedene so genannte Banden eingeführt. Das waren auf Sympathie und Freiwilligkeit beruhende Kleingruppen von drei bis acht Leuten, in denen man sich gemeinsam auf dem Weg der Nachfolge bestärkte. 

Was sind die Losungen?

In diesem Zusammenhang entstanden 1728 auch die Herrnhuter Losungen: Die Losungen sind ein Andachtsbuch, das für jeden Tag des Jahres zwei Bibelverse enthält: die Losung aus dem Alten Testament und den Lehrtext aus dem Neuen Testament. Ergänzt werden die beiden Texte durch einen Liedvers oder ein Gebet. Die alttestamentliche Losung wird ausgelost, die anderen Texte passend dazu ausgesucht. Die Losungen sind ein Weg, Gottes Wort in den Alltag kommen zu lassen. Sie können ein erster Schritt sein, die Bibel in ihrer ganzen Breite und Tiefe kennen zu lernen. Auch die 25 Zacken der Herrnhuter Weihnachtssterne sind weltberühmt: Anfang des 19. Jahrhunderts leuchtete der erste Stern aus Papier und Pappe in den Internatsstuben der Herrnhuter Brüdergemeine. Von einem Erzieher im Mathematikunterricht erdacht, diente er zum Vermitteln eines besseren geometrischen Verständnisses. Fortan bastelten die Kinder am ersten Sonntag im Advent ihre Sterne und trugen diesen Brauch in ihre Familien. Bis heute ist es eine schöne Tradition, die besinnliche Weihnachtszeit mit einem Herrnhuter Stern zu beginnen.

Förderung der Frauen 

Mit einer Vielzahl von Laienämtern wurde das allgemeine Priestertum gestaltet, aber dennoch die Gemeinde in die lutherische Landeskirche integriert. Auffallend war die starke Stellung der Frauen, es gab zum Beispiel Ältestinnen, Lehrerinnen und Aufseherinnen. Bemerkenswert auch Zinzendorfs Aufforderung, den Juden ungemeine Hochachtung entgegenzubringen, wie er in einer eigens zur Bekämpfung des Judenhasses verfassten Schrift betonte. Zinzendorf hat mehr als 2000 Lieder verfasst: Singen war für ihn ein emotionales und Gemeinschaft stiftendes Erlebnis. Den Herrnhutern gelang es, den schlichten Bibelglauben und die tiefe Jesusliebe durch die Zeit der Aufklärung hindurch zu bewahren. Im 19. Jahrhundert wuchsen einflussreiche Persönlichkeiten wie Novalis oder Kierkegaard in herrnhutischer Frömmigkeit auf. Die Brüdergemeinen waren weit über Deutschland hinaus aktiv. Sie hatten 226 Missionare in 28 Ländern, als Zinzendorf am 9. Mai 1760 in Herrnhut starb. Die Herrnhuter zählen heute in 35 Ländern rund 1,2 Millionen Mitglieder. 

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
Preferences  |  Unsubscribe
 
cnm (cooperation neue medien) | info@cnm.ch
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung