|
No images? Click here ![]() Wo Kapitäne weinen dürfen
Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen (können), dann soll die Kirche zu ihnen gehen: Die beiden Geistlichen Walter Schär und Alex Wyss sind in den Hafenbecken von «Port of Switzerland» in der aufsuchenden Seelsorge unterwegs. Dort schmecken sie den Duft der weiten Welt und lernen Menschen von überall her kennen. Die Schifferseelsorge in einer Männerdomäne existiert seit 1935 – nach einem Unterbruch wieder ökumenisch. Sie wirkt auch bei Hafenfesten, Schiffstaufen oder Schifferweihnachtsfeiern mit. Die Arbeit des ersten Basler Schifferdiakons stand ganz im Zeichen der Linderung von sozialen und menschlichen Nöten. Sie standen im Zusammenhang mit den damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen, die im Laufe der Kriegsjahre oft noch schwieriger wurden. «In den Jahren der Weltwirtschaftskrise zwischen den beiden Weltkriegen fielen der Basler Stadtmission an den Schweizerischen Rheinhäfen viele Schiffe auf. Deren Besatzung, häufig Familien, die gemeinsam auf dem Rhein fuhren, nagten am Hungertuch», erklärt Walter Schär der Lokalzeitung «bz basel». Dies sei der Anfang der kirchlichen Bemühungen gewesen, sich um die Schiffsleute in Basel zu kümmern. Die langen Fahrenszeiten, die zwangsläufig zur Trennung vom gewöhnlichen Leben führen, machen das Schifferdasein zu einer Doppelexistenz. Zudem ist die Tätigkeit der Schifferleute anspruchsvoll und für viele auch einsam. Die Schifferseelsorger besuchen sie an Bord und überbringen die Grüsse der Kirchen zusammen mit einem süssen Geschenk. Die Zeit für ihre Klienten ist kurz: Meist sind Schiffsleute auf der Durchfahrt und nicht lange in den Häfen der Region. Das sind die Momente, in denen die beiden Seelsorger Walter Schär und Alex Wyss versuchen, mit den Kapitänen und Matrosen in Kontakt zu treten. Die beiden pensionierten Männer leisten am Auhafen in Muttenz und am Basler Rheinhafen ehrenamtlich ökumenische Schifferseelsorge. Unangemeldet besuchen Sie gehen von Schiff zu Schiff und fragen die Matrosen und Kapitäne, ob sie Zeit für ein Gespräch haben. Wenn man unerwünscht sei, dränge man sich nicht auf, sagt Walter Schär. Durchschnittlich zweimal im Monat sind sie an den Häfen unterwegs. Sehen sie Personen auf den Schiffen, sprechen die beiden sie an – auf Holländisch, Englisch, Deutsch oder Französisch. Walter Schär ist ein erfahrener Schifferseelsorger und übt die Tätigkeit mit Unterbrüchen seit den 1980er-Jahren aus, als er als Gemeindediakon nach Kleinhüningen kam. Es ist auch sein Verdienst, dass es die Schifferseelsorge noch immer gibt: Im Herbst 2011 wurde er pensioniert und hat freiwillig mit dem Segen der evangelischen Kirchen Basel-Stadt und Baselland die Besuche im Hafen die Arbeit wieder aufgenommen. Heft mit Schiffergebeten Nach anderen Partnern steht ihm mittlerweile Alex Wyss zur Seite. Der Riehener amtete lange Jahre als Diakon im Arlesheimer Dom und in Reinach sowie einige Jahre im Industrieamt beider Basel. Als Feldprediger betreute er Armeeangehörige aus der Region. Heute ist auch er an den Häfen mit Sicherheitsschuhen, einer Rettungsweste und einem Helm anzutreffen: «Das ist unsere Arbeitskleidung, da wir nur so auf die Schiffe dürfen», sagt er schmunzelnd zur Lokalzeitung. Er verstehe die Tätigkeit als aufsuchende Seelsorge. Die Religion spiele kaum eine Rolle. «Wir lassen den Schiffern ein kleines Heft mit Schiffergebeten da, falls sie es möchten.» Wyss hat bemerkt: «Die meisten Menschen freuen sich darüber, einmal ein anderes Gesicht zu sehen.» Auf Ablehnung stiessen er und Walter Schär selten: «Wenn die Schiffer merken, dass wir keine frommen Schwätzer sind, verlieren sie meist die Scheu.» Feiertage als besondere Gelegenheiten Nur aus Nächstenliebe sind die beiden nicht in den Häfen unterwegs. «Man spürt hier den Duft der weiten Welt und lernt Menschen von überall her kennen», erzählen die Seelsorger. «Meist sind es schöne Erlebnisse, die mir in Erinnerung geblieben sind», sagt Walter Schär. «Einmal konnte ich einer Kapitänsgattin aus der Patsche helfen, indem ich ihr eine gewünschte G-Saite für ihre Gitarre besorgte. Alle Läden waren schon geschlossen, aber ich hatte einen Saitensatz daheim.» Vor allem um die kirchlichen Feiertage werden die Besuche intensiviert, weil dann oft Zeit und Gelegenheit ist für substanzielle und seelsorgerliche Gespräche. Was immer bleibt, ist der Schiffergruss «Allzeit gute Fahrt – in Gottes Namen». Herzlich, Markus Baumgartner Bild zvg © Port of Switzerland © Patrick Walde |
