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No images? Click here ![]() Mit "Kirchen-Checker" neue Generationen gewinnen
Rund eine halbe Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr aus der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland ausgetreten. Schrumpfende Relevanz, Missbrauch und Vertuschung, Streit über Aufklärung, Spannungen mit Rom: Die Kirche in Europa steckt in einer historischen Krise. Was tun? Pfarrer Maximilian Schiek geht neue Online-Wege. Trotz der Austritte "haben wir in Zukunft deshalb nicht weniger Wirkkraft. Nur weil wir kleiner werden, haben wir trotzdem noch eine mega-gute Botschaft, die sich lohnt, in die Welt zu tragen", sagte die 25-jährige Philosophiestudentin und neue Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, in einem Interview dem Podcast "Himmelklar": "Nur weil das ein paar weniger Leute tun, heisst das nicht, dass das weniger erreicht." Als Antwort müsse es die Kirche schaffen, in Zukunft "mehr Räume zu eröffnen", wo Menschen sich berührt fühlen, getragen oder unterstützt werden. Sie hoffe, dass ihre Generation, "für die die Konfessionsgrenzen kaum mehr eine Rolle spielen", auch Schwung in die Ökumene bringt. Sie überlege derzeit, ob es ein Format wie "Checker Tobi" des Senders Kika auch für die Kirche brauche: Ein "Kirchen-Checker" könnte Dinge erklären, die eigentlich immer im Kindergottesdienst vorkämen, "aber die viele halt nicht mehr mitbekommen, weil sie noch nie in einem Kindergottesdienst waren", schreibt die Süddeutsche Zeitung. Konfi- und Kirchenchecker lanciert Die Checker-Idee nahm Pfarrer Maximilian Schiek auf, der von 2019 bis Frühling 2022 zur Dienstaushilfe im Dekanat Besigheim für die Öffentlichkeitsarbeit tätig war: Er lancierte im vergangenen Jahr zuerst den neuen YouTube-Channel „Konfi-Checker“. Der Pfarrer hatte einfach mal nach „Konfirmation“ bei YouTube gesucht. Da kamen fast nur Videos von schwedischen oder dänischen Kindern, die ihre Konfi-Geschenke gefilmt haben. Da hatte er die Idee, ein Video zu produzieren – dann kam der Digitalisierungsschub in der Pandemie. Er hatte zu der Zeit keinen Konfirmandenunterricht und sich dann entschlossen, Videos zu drehen. Dabei geht es um Grundlagen wie „Was ist die Konfirmation?“ oder ob „Konfi ohne Taufe“ auch geht. Danach hat er das Thema „Gottesdienst“ bearbeitet und zeigte zum Beispiel wie das Gesangbuch funktioniert. Bisher gibt es 25 Beiträge. Auch von Erwachsenen gab es Rückmeldungen, dass sie durch die Videos viel gelernt hätten. So kam er auf das Nachfolgerprojekt „Kirchen-Checker“. Die Zielgruppe ist ungefähr zwischen 16 und 36 – genau die Altersgruppe, die auch am stärksten den Kirchenaustritt vollzieht. Menschen, die keinen Kontakt mehr mit der Kirche haben, sollen ein Format finden, bei dem sich Menschen über den Sinn und das Wirken der evangelischen Kirche unterhalten. Das ist eher ein klassisches Podcast-Format, das nicht nur auf Spotify zu hören ist, sondern auch auf YouTube zu sehen ist. Es wurde auch ein Instagram-Account aufgebaut, der vor allem zur Ankündigung neuer Videos dient, aber auf den auch mal ein lustiges Bild hochgeladen wird. Besser auf sich aufmerksam machen Die Motivation von Pfarrer Maximilian Schiek: Die Kirche tut Gutes in der Gesellschaft, aber sie muss besser darauf aufmerksam machen, erklärte er der "Bietigheimer Zeitung". Der Schwund der Mitgliederzahlen macht ihm grosse Sorgen. Doch wie kann die Öffentlichkeitsarbeit dagegen steuern? Die Zeiten, in denen es reicht, Flyer zu verteilen, den Schaukasten zu füllen oder drei bis vier Mal im Jahr einen Gemeindebrief zu erstellen sind jedenfalls vorbei, sagt er. Die Generation, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist, dränge jetzt auch ins Pfarramt. Ein Schub in dieser Hinsicht sei notwendig. Während nationale Kirchen teilweise Profis einsetzen, hänge der Erfolg in Kirchgemeinde von allem vor Ehrenamtlichen ab. Daher solle sich die Kirche nicht als Einzelkämpfer um die Gunst der Öffentlichkeit buhlen, sondern als einen Spieler unter vielen, der gut vernetzt ist. Herzlich, Markus Baumgartner |
