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No images? Click here ![]() Unbewusste Sehnsucht nach dem Paradies
Es ist ein Rooftop der besonderen Art: Mitten in London auf der Nordseite der Themse stehen die Worte «Nichts kann uns trennen» aus Römer 8 auf dem Dach einer U-Bahn-Station. Die Künstlerin Lakwena Maciver hat eine versteckte und vernachlässigte Dachterrasse über der 1870 erbauten U-Bahn-Station Temple in einen lebensbejahenden Ort verwandelt. Die farbenfrohe Installation bedeckt den grauen Beton auf 1400 Quadratmetern. Lakwena Maciver ist als «Artist’s Garden» bekannt und hatte die Installation vor der Pandemie geplant. Sie dient jetzt als Ort der Begegnung. Der Satz «Nothing Can Separate Us» (Nichts kann uns trennen) ist auf dem weitläufigen Boden am Eingang der Installation von Lakwena Maciver (https://www.lakwena.com ) zu sehen. Er ist eine kraftvolle spirituelle Botschaft mit vielschichtiger Bedeutung – tiefe Liebe, physische und spirituelle Verbindungen und die Stärke unsichtbarer Bindungen. Die eindrückliche Produktion der ganzen Installation ist in einem Zeitraffer auf einem YouTube-Clip festgehalten. Sie zeigt die Dimensionen dieser Outdoor-Kunst. Die Installation ist eine Meditation auf höherem Boden. Es ist die Offenbarung eines aussergewöhnlichen Ortes und des Talentes der 36-jährigen Künstlerin, die einen Blick auf das irdische Paradies gewährt. Ihre Intervention reagiert auf das Gefühl des Ortes, sich in die Lüfte, in den Himmel zu erheben. Sie ist eine zeitgenössische Vision des Paradieses – ein Zufluchtsort über der turbulenten Welt der U-Bahn und eine Oase der farbigen Ruhe. Auf dem Dach befindet sich auch eine Künstlerhütte, die den Londoner «Black Cab Shelters» in der Nähe nachempfunden ist. Das sind kleine grüne Gebäude, die seit 1875 als Cafés für Taxifahrer dienen. Die Hütte bietet Platz für Ausstellungen, Workshops und Künstlerresidenzen. Garten Eden der erste Tempel Die Künstlerin Lakwena Maciver erklärt ihre Idee der Installation so: Die U-Bahn-Station heisst Temple. Den Namen erhielt der Gebäudekomplex, weil er sich auf einem ehemaligen Grundstück der Tempelritter befindet. Das Gebäude steht im Schatten seiner heute überwiegend weltlichen Umgebung. Aber das Konzept eines Tempels – ein Ort, an dem sich Himmel und Erde treffen – ist nach wie vor von grosser Bedeutung: «Man sagt, dass der Garten Eden der erste Tempel war. Die Geschichte besagt, dass wir aus dem Garten vertrieben wurden und uns seither danach sehnen, den Weg zurückzufinden.» Diese Vorstellung einer unbewussten Sehnsucht nach dem Paradies steht in krassem Gegensatz zu der stark kolonisierten, betonierten Umgebung, welche die U-Bahn-Station Temple heute umgibt. Und genau das war der Anstoss für diese öffentliche Intervention. Verbreitung von Botschaften Lakwena Maciver ist Tochter einer englischen Mutter und eines ugandischen Vaters. Sie verbrachte ihre Kindheit in Ostafrika und studierte dann Grafikdesign am London College of Communication, wo sie 2009 ihren Abschluss machte. Der Name Lakwena, der in der Acholi-Sprache Nordugandas Bote bedeutet, spiegelt sich in der Praxis der Künstlerin wider: Sie beschäftigt sich mit der Verbreitung von Botschaften. Die Künstlerin führt seit über einem Jahrzehnt international öffentliche Kunstaufträge aus und wurde bereits in Paris, New York, Los Angeles, Las Vegas und Miami ausgestellt. Sie zeigt häufig Wandbilder, die aus geblockten, leuchtenden Farben und Text bestehen. Ihre Arbeiten hingen auch schon über dem Londoner Stadtteil Covent Garden und trugen biblische Sprüche wie «lift you higher». Herzlich, Markus Baumgartner |
