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Wie eine Frau Priesterin wurde

Birgit Leisegang ist katholische Theologin und als Politikern in der Adliswiler SP tätig. Sie hat etwas getan, was andere fordern: Sie liess sich zur Priesterin weihen. Weil das in der traditionellen katholischen Kirche nicht möglich ist, ging sie in eine unabhängige katholischen Freikirche, die sich Gallikanische Kirche nennt. Diese verbindet eine bewusst traditionelle Liturgie mit mystischer Spiritualität und liberaler Ethik.

 

Die irdische Liturgie soll die himmlische widerspiegeln: Daher sind die Gottesdienste der gallikanischen Kirche besonders feierlich mit Kirchenschmuck, Kleidung und Weihrauch. Diese äussere Form möchte dazu einladen, in das Mysterium des Glaubens einzutauchen. Die gallikanischen Kirche mit ihrer katholischen Prägung gehört zur «Union Apostolique Gallicane» und hat französischen Ursprung. Sie bildete in Frankreich bis ins 9. Jahrhundert die autonome, von Rom unabhängige katholische Kirche. Heute gehört sie zu den katholischen Freikirchen. Birgit Leisegang  wollte voll und ganz in der römisch-katholische Kirche arbeiten. Nur ging das als Frau nicht. Sie wandte sich der anglikanischen Kirche zu und lernte diese während zwölf Jahren in den USA und in England kennen. In der gallikanischen Kirche hat sie 2014 gefunden, was sie immer suchte: eine mystische Kirche, die die Gottes- und Sinnsuche in den Vordergrund stellt und in ihrer Liturgie aus dem 3. und 4. Jahrhundert die altkirchliche Symbolik und Spiritualität ernst nimmt und Wärme ausstrahlt. Birgit Leisegang feiert gern die alte lateinische hochkirchliche Liturgie. 

Priesterin und Politikern

Katholische Priesterin ist ein Berufsstand, den es eigentlich gar nicht gibt. Und doch hat sich Birgit Leisegang dazu entschlossen. 2019 liess sie sich im Zentrum Nidelbad Rüschlikon zur katholischen Priesterin weihen. Priesterinnen gibt es ausser ihr in der Schweiz seit kurzem nur in der christkatholischen Kirche. Die 46-Jährige Birgit Leisegang erhält für ihre priesterlichen Dienste keinen Lohn, verdient ihr Leben als Kundenberaterin bei Fedex und engagiert sich im Vorstand der Adliswiler SP, schreibt der «Tages Anzeiger» in einem Porträt. Sie wohnt an der Peripherie von Adliswil in einer bescheidenen Zweizimmerwohnung. Wobei eines der Zimmer als Kirche dient, als Kapelle Sainte Trinité, die mit Altar, Tabernakel, Monstranz und mit Ikonen ausgestattet ist. Hier feiert sie täglich die Messe, im kleinen Kreis einer Hauskirche. Einmal im Monat lädt sie in Nidelbad zur Vesper ein. Sie pflegt ökumenische Kontakte und bietet Seelsorge ohne Bürozeiten an. Der Hauptsitz der Kirche befindet sich in Strassburg.

Der dortige Bischof Raphael Steck hat sie zur Priesterin geweiht. Von Strassburg aus leitet er die Kirche mit rund einem Dutzend Gemeinschaften in Westeuropa. 

Arbeit im Stillen

Birgit Leisegang zelebriert selten in einer grossen Pfarrkirche vor vollen Kirchenbänken. Ihr Dienst vollzieht sich eher im Verborgenen und im Kleinen, manchmal zu zweit oder zu dritt. Sie gibt zu, dass sie den Gedanken auch schon hatte: «Wozu das alles? Es kommt doch eh keiner. Habe ich als Priesterin versagt?» Doch fehle etwas, wenn in einer Kapelle nicht mehr gebetet wird, kein Gottesdienst mehr stattfindet, selbst wenn es sich um eine ganz kleine Gruppe handelt: «Das gemeinsame Gebet, vor allem das Fürbittgebet, das vor Gott gebracht wird, geschieht stellvertretend für die ganze Kirche, für das ganze Land, für die ganze Welt. Gott erhört uns, er ist mit seinem Segen im Raum präsent. Vielleicht bräuchte es mehr dieser unscheinbaren Gebetszellen, die wie der Sauerteig unsere Welt mit göttlichem Segen durchsäuern. Zellen einer geheimnisvollen, stillen Präsenz, einer geistlichen Kraft und Gegenwart, die im Verborgenen wirkt und verändert.»

Mit dem Tun ansprechen

Da katholische Priesterinnen offiziell nicht vorgesehen sind, führt kein gradliniger Weg dorthin. Birgit Leisegang ist als Tochter des renommierten Musikers Peter Leisegang in Luzern aufgewachsen – konfessionslos, wie sie gegenüber dem «Tages Anzeiger» betont. Mit 18 liess sie sich taufen. Schon immer angezogen von der katholischen Liturgie, liebte sie es, in Luzerns Hof- und Jesuitenkirche zu ministrieren. Sie studierte in Freiburg Theologie und schloss das Studium nach einem Zwischenjahr an der Jesuiten-Universität Sèvres in Paris 2004 ab. Liturgisch ist sie konservativ eingestellt, doch sieht sie sich nicht als orthodoxe Feministin: «Mir geht es darum, dass man jeden Menschen in seiner Eigenart respektiert.» Missionieren ist für sie tabu. «Wir können den Leuten nicht den Glauben aufzwingen. Das funktioniert nicht.» Viel wichtiger ist es ihr, mit den Leuten hier ein Stück Weg mitzugehen und ihnen zuhören. Mission sei nur dann gelungen, wenn sich die Leute hier von ihrem Tun angesprochen fühlten.

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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