![]() Als Pfr. Christoph den reichen Christoph fand
Familie Merian gehörte zu den Vornehmen in Basel und zu den reichsten in der Schweiz. Christoph Merian hat sich aus einer tiefen Frömmigkeit zeitlebens für die Allgemeinheit und die Bedürftigen eingesetzt. Ein Pfarrer war für die überraschende Entdeckung von Christoph Merians Testament verantwortlich. Die Christoph Merian Stiftung gilt bis heute als eine der grössten Stiftungen in der Schweiz und der Zweck war durch den Fund kurz in Frage gestellt. Pfarrer Christoph Ramstein war seit seiner Schulzeit stark an Geschichte interessiert. Durch sein Theologiestudium ergab sich eine Spezialisierung im Gebiet der Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts. In Verbindung mit dem Basler Kirchengeschichtler Prof. Ulrich Gäbler konnte er auch bei Forschungen in diesem Bereich mitarbeiten. 1994 als Pfarrer in Lausen BL gehörten zu seiner Tätigkeit auch Hausbesuche. Bei einem solchen Hausbesuch lag auf dem Tisch die Leichenrede des Lausner Pfarrers Johann Jakob Oeri aus dem 19. Jahrhundert. Leichenreden stellten gerade für diesen Zeitraum eine wertvolle Quelle für biographische Daten dar. «Etwas von einem reichen Basler» Als er sein Interesse an diesem Heft äusserte und von seinen früheren kirchengeschichtlichen Forschungen erzählte, sagte die Gastgeberin: «Wir haben da noch etwas von einem reichen Basler.» Es sei Christoph Merian. Sie hätten in ihrem Privatbesitz das Testament von Christoph Merian (1800-1858). Das war eine Überraschung ausgerechnet in der Baselbieter Gemeinde Lausen auf das Testament von Christoph Merian zu stossen. Auf Nachfrage beim Staatsarchiv in Basel zur Quellenlage des Testaments von Christoph Merian hiess es: Das Testament sei seit 1886 verschollen und es seien schon verschiedene Versuche unternommen worden, dieses Dokument zu finden. Es existierte einzig eine im gleichen Jahr notariell beglaubigte Abschrift. Beim nächsten Hausbesuch zeigte sich eine weitere Überraschung: Es handelte sich nicht nur um das Testament von Christoph Merian, sondern um eine ganze Dokumentensammlung – angefangen mit dem Ehevertrag von Christoph und Margaretha Merian-Burckhardt von 1824. Im weiteren Gespräch übergab die Familie die Mappe mit sämtlichen Dokumenten an Pfarrer Christoph Ramstein und auch das Einverständnis, diese später einer geeigneten Institution in Basel zu übergeben. So kamen sie zur Christoph Merian Stiftung. Diese hat die Dokumente von zwei ausgewiesenen Experten auf ihre Echtheit überprüfen lassen. Der aufsehenerregende Fund wurde an einer Medienkonferenz bekannt gemacht und hatte den Zweck der Stiftung kurz in Frage gestellt. Doch die Dokumente stimmten überein, wie Blick, Neue Zürcher Zeitung und andere berichteten. Für Pfarrer Christoph Ramstein war dieser Fund nicht nur deshalb speziell, weil seine Mutter eine Merian ist und er selbst Christoph heisst, sondern vielmehr, weil es sich um eine Entdeckung in dem Bereich handelt, in dem er selbst historisch gearbeitet hatte. Ausgeprägte Frömmigkeit Christoph Merian war geprägt durch den Pietismus, der besonders in Basel weit verbreitet war. Aus einer ausgeprägten persönlichen Frömmigkeit und einem tief verwurzelten Standesbewusstsein entsprangen sowohl ein zurückgezogener, betont christlicher Lebenswandel als auch das Verantwortungsgefühl für Arme und Bedürftige. So spendete Merian schon immer namhafte Beträge, z. B. für das städtische Spital, zur Verbilligung des Brotes für Einwohner von Basel und Umgebung und für anderes mehr. Beruflich war er ausgebildeter Kaufmann und Agronom. Dies war ein für einen jungen Basler Patriziersohn ungewöhnlicher Berufsweg. Sein gleichnamiger Vater war Grosskaufmann und betrieb zuerst Rohbaumwolle-Handel und später alle möglichen Speditions-, Bank- und Spekulations-Geschäfte. Er galt als reichster Schweizer seiner Zeit. Christoph Merian war mit der Industriellentochter Margaretha Burckhardt verheiratet. Das Ehepaar blieb kinderlos und vermachte Grundbesitz und Vermögen seiner «lieben Vaterstadt Basel». Daraus entstand 1857 die Christoph Merian Stiftung. 2021 hat die Stiftung Förderbeiträge für insgesamt 121 Projekte und Institutionen bewilligt und zudem 35 Projektpartner im Rahmen der Corona-Soforthilfe unterstützt. Die dafür bewilligte Fördersumme betrug knapp zehn Millionen Franken. Geflossen sind 2021 Förderbeiträge von insgesamt rund 15 Millionen Franken. Das Stiftungsvermögen betrug 1,75 Milliarden Franken. Herzlich, Markus Baumgartner |
