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Hypnotisiert von Bibeltexten

Der vielseitige Nick Cave legt ein neues Buch «Glaube, Hoffnung und Gemetzel» und ein neues Album auf. Der Musiker, Schriftsteller, Schauspieler und Drehbuchautor dringt dabei vom Dunklen zum Hellen durch. Im Buch erzählt Nick Cave von der schwierigsten Zeit seines Lebens und verarbeitet die vielen Schicksalsschläge in seinem Leben. Er bleibt die Unruhe selbst. Seinem Gott sei Dank.

 

Der Australier Nick Cave (63) studierte Kunst, gründete eine Punkband und zog nach London, um berühmt zu werden. Seinen Durchbruch erlebte er 1983 in Westberlin, wo er die Band «The Bad Seeds» gründete, mit der er heute noch unterwegs ist. Er befasste sich schon früh in seiner Karriere mit Gott und der Bibel. Er erzählte 1996 in Berlin von der Faszination, welche die Lektüre der King-James-Bibel bei ihm auslöste. Er las ihre Verse wie in Trance, betört vom hypnotischen Charakter der englischen Übersetzung. Wie so viele Musiker, von Bob Dylan bis Johnny Cash, Leonard Cohen bis Stevie Wonder oder Al Green, fühlt sich Nick Cave als Künstler von seinem Glauben inspiriert, ohne dass seine Texte deshalb ihre Verzweiflung und ihre lyrische Kraft verloren hätten. Seine Hinwendung zum Hellen kommt aus dem Dunklen,  schreibt der «Tages Anzeiger». 

Neues Buch 

«Eine grosse Rhapsodie über Gott, die Welt und den Tod», fasst das Fachmagazin «Rolling Stone» das neue Buch von Nick Cave zusammen. Es ist über 300 Seiten lang, entstand aus 40 Stunden Telefongesprächen mit Guardian»- Journalist Sean O’Hagan und ist streng als Abfolge von Fragen und Antworten strukturiert. In «Faith, Hope and Carnage» – auf Deutsch als «Glaube, Hoffnung und Gemetzel» erschienen – sinniert der Musiker über die Schicksalsschläge in seiner Familie, aber auch über seine eigene, langjährige Heroinsucht. Es starben Caves Mutter, seine Freundin Anita Lane, der Produzent Hal Willner und Chris Bailey von den Saints und schliesslich im Mai 2022 der älteste  Sohn Jethro (31). Im Herzen der Gespräche liegt die lastende Trauer um Caves Sohn Arthur, der 2015 von einer Klippe bei Brighton stürzte. So ist dieses brütend-intensive, katastrophische Buch ein Requiem für die Verstorbenen und ein verfrühtes Vermächtnis, so der «Tages Anzeiger», der weiter schreibt: «Meistens macht das Bekennerglück von Bekehrten ihre Zeugnisse unerträglich. Davon kann in diesem Buch keine Rede sein.»

Erstens sind die Fragen von Seán O’Hagan zu intelligent und kennt er seinen Freund und dessen Werk zu gut. Zweitens formuliert Nick Cave zu genau und ist auch zu gebildet, um unser Interesse zu verlieren. Ausserdem ist er kein Fanatiker; denn er hat nicht zu zweifeln aufgehört, nur weil er so tiefgläubig geworden ist.

Neues Album

Während der Pandemie schrieb Nick Cave die Songs für das Album «Carnage», das er mit Warren Ellis an wenigen Tagen aufnahm. Nick Cave spricht von Religion und von der Magie des Konzerts: «Es geht darum, in Erstaunen versetzt, von einem Künstler im entscheidenden Moment ergriffen zu werden – Sekunde um Sekunde die Entfaltung eines Songs zu bewundern und von der Dramatik beinahe zu Tränen gerührt zu werden.» In langen Passagen beschwört er seine Kindheit in einem Dorf in Australien, die Heroinsucht, den frühen Tod des Vaters und die Sorge um seine Mutter und die Lähmung, nachdem Arthur gestorben war. In «Glaube, Hoffnung und Gemetzel» kommt offen die von der Trauer über die toten Söhne bestimmen Gefühle und Gedanken des Musikers zum Tragen. Und auch sein Glauben an den christlichen, vergebenden Gott, der ihn immer stärker erfasst hat, schreibt der «Tages Anzeiger». Cave geht im Gespräch so weit, zu sagen, dass der Verlust von Arthur seine Religiosität noch verstärkt habe, so wie er seine eigene langjährige Heroinsucht als Ausdruck einer spirituell grundierten Suche begreift. Von Frömmlerei und Bigotterie hält er natürlich nichts und hat diese in Songs wie «God Is in the House» auch schon persifliert, wie der «Tages Anzeiger» weiter schreibt. Auch sein morbider Humor, die am häufigsten übersehene Eigenschaft von ihm, flackert in den Interviews des Buches immer wieder auf und verhindert ein Abschmieren in die Sentimentalität.

Herzlich, Markus Baumgartner

P.S. Ich bedanke mich an dieser Stelle für die vielen ermutigenden Spenden zugunsten des Dienstagsmails! Echt berührend. 

 
 
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