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No images? Click here ![]() Grosszügig gegenüber Armen und Bedürftigen
Ist es nicht seltsam, dass der Tod eines alten Mannes in der Südtürkei vor fast 1700 Jahren heute noch so viel Vorfreude und Aufregung auslöst? An diesem Dienstag, dem 6. Dezember, ist das Fest des Heiligen Nikolaus. Er starb im Jahr 343 n. Chr. in Myra in der Türkei und hat eine Geschichte, die viele nicht kennen. Für niederländische Kinder ist der grosse Tag der Vorabend des Nikolaustages am 5. Dezember, ein Höhepunkt des Jahres. Der «Sinterklaas» ist ein Abend mit Geschenken und Spass, der den Höhepunkt der wochenlangen Vorfreude bildet, seit der Sint und sein Gehilfe Zwarte Piet (hoppla, wir können ihn nicht mehr ‚Schwarzer Peter‘ nennen) letzten Monat mit einem Schiff aus Spanien in Holland ‚angekommen‘ sind. Heute Dienstag sind die Kinder in Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich an der Reihe. St. Nick ist auch in Teilen Deutschlands und Österreichs (Sankt Nikolaus), in der Schweiz (Samichlaus), in Italien (San Nicola), in Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien (Sveti Nikola), in Slowenien (Sveti Miklavž) und in Griechenland (Agios Nikolaos) bekannt. Schutzpatron für viele Er ist der Schutzpatron vieler Städte und sogar Nationen. Er scheint der Lieblingsheilige von allen gewesen zu sein: von Kaufleuten und Seeleuten, Frischvermählten und Richtern, Bogenschützen und Dieben, Kindern und Studenten bis hin zu alten Jungfern und reuigen Mördern. Und er ist auch der Ursprung des Weihnachtsmanns, der in diesem Monat auf der ganzen Welt allgegenwärtig sein wird, um die Weihnachtsausgaben anzukurbeln – schliesslich ist er der Schutzpatron der Kaufleute. Die Metamorphose von Sinterklaas zu Santa Claus fand statt, nachdem die Engländer New Amsterdam, den niederländischen Aussenposten auf der Insel Manhattan an der Mündung des Hudson River, übernommen hatten. Sie änderten den Namen der Siedlung in New York und den Namen von Sinterklaas in Santa Claus. Die Bescherung fand weiterhin statt, wurde aber auf Weihnachten verlegt, den 25. Dezember. War er dunkelhäutig? Der heilige Nikolaus lebte einst im antiken Myra, dem heutigen Demre, in der Südwesttürkei – nicht in Spanien oder am Nordpol. Paulus ging auf seiner Reise nach Rom mit seinen Mitgefangenen und dem Zenturio Julius in Myra an Land. Dort gingen sie an Bord des alexandrinischen Schiffes, das später in Malta Schiffbruch erlitt (Apostelgeschichte 27: 5,6). Auf seiner dritten Reise legte Paulus auf dem Weg nach Jerusalem kurz in Patara an, das westlich von Myra liegt (Apostelgeschichte 21,1). Patara war der Ort, an dem Nikolaus oder Niko-laos («Sieg des Volkes») geboren wurde, wahrscheinlich Ende des 3. Jahrhunderts. Manche sagen, er sei der Sohn sehr wohlhabender schwarzer Anatolier aus dem alten römischen Reich. (Vielleicht haben wir die Geschichte ganz falsch verstanden. Vielleicht war Sinterklaas genauso dunkelhäutig wie sein Gehilfe). Die Überlieferung besagt, dass seine Eltern bei einer Epidemie starben, als er noch klein war. Er scheint von klein auf gläubig gewesen zu sein und unternahm als Jugendlicher eine Pilgerreise nach Ägypten und Palästina. Im Gefängnis Nach seiner Rückkehr nach Myra wurde er zum Bischof der Hafenstadt ernannt. Nikolaus wurde bald für seine Grosszügigkeit gegenüber den Bedürftigen bekannt, die von den Lehren von Jesus inspiriert war. Eine Legende besagt, dass er für die Töchter eines armen Mannes, der sich keine Mitgift leisten konnte, Geldbeutel mit Goldmünzen in einen Schornstein warf. Zusammen mit anderen Bischöfen wurde Nikolaus während der Christenverfolgung durch Diokletian um 303 n. Chr. inhaftiert. Nachdem Konstantin Kaiser geworden war, wurde er freigelassen. Er soll dann am historischen Konzil von Nizäa im Jahr 325 teilgenommen und das Glaubensbekenntnis von Nizäa unterzeichnet haben. Bari in Süditalien beansprucht seit 1087 eine besondere Verbindung zu Nikolaus, als Seeleute seinen Leichnam aus dem byzantinischen Myra gegen den Protest der örtlichen orthodoxen Mönche nach Italien «überführten». Sie glaubten, dass sie die christlichen Reliquien vor den eindringenden muslimischen Seldschuken retten würden. Schliesslich war ihnen Nikolaus selbst in einer Vision erschienen und hatte gesagt, er wolle in Bari beigesetzt werden. Wer könnte da widersprechen? Am 9. Mai 1087 traf der Leichnam von Nikolaus unter grossem Tamtam in Bari ein. Bis heute wird seine Ankunft mit einer Flottille von Booten, einem Feuerwerk und einer Strassenparade mit einem lebensgrossen Nikolaus nachgestellt. Die Feierlichkeiten gipfeln in der grossen romanischen Basilika aus dem 12. Jahrhundert, die zur Aufbewahrung seiner Reliquien erbaut wurde. Die Darstellungen des Heiligen zeigen eindeutig einen schwarzhäutigen Nikolaus. Die Reformation ersetzte Nikolaus durch das Christkind: Da die Protestanten die Heiligenverehrung ablehnten, bekam der St. Nikolaus gewissermassen Konkurrenz. Der heutige Santa Claus ist leider weit entfernt von dem gottesfürchtigen Bischof von Myra, der für Grosszügigkeit gegenüber den Armen und Bedürftigen bekannt war. Herzlich, Markus Baumgartner |
