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Die Kirche kann ein Dorf verändern 

 

Ist das Schicksal eines Schlafdorfes vorprogrammiert? Jeden Sonntag im Gottesdienst werden die Gäste in ihrem Glauben gefördert und über christliche Werte unterrichtet. Ein neues Buch zeigt, wie sie diese Werte für eine werteorientierte Entwicklung im Dorf einsetzen können – zusammen mit allen anderen Einheimischen. So können Kirche und Bevölkerung gemeinsam das Dorf entdecken und zur Dorftentwicklung beitragen. 

 
 

«Die meisten Einwohnerinnen und Einwohner unserer Dörfer, Regionen und Städte möchten vor allem eines: in Ruhe gelassen werden. Dieses Buch zeigt, wie tot geglaubte Dörfer auf dem Land zum Leben erweckt, Schlafdörfer in der Agglomeration wachgeküsst und anonyme Städte zu einem menschenfreundlichen Lebensraum entwickelt werden können. Dabei spielen Werte eine wichtige Rolle und damit auch die Kirchen als Orte, wo über Jahrhunderte hinweg Werte geschmiedet wurden», erklärt Autor Hanspeter Schmutz. Der Journalist, Publizist und Kommunalpolitiker hat auch die kirchengeschichtlichen und theologischen Wurzeln der Ortsentwicklung recherchiert. Das dazu passende Beispiel im Buch ist das Emmentaler Dorf Oberdiessbach, in dem der Autor seit 1994 wohnt und arbeitet. Dort wurde unter anderem ein Mehrgenerationenplatz als unkonventioneller Begegnungsort gebaut, der Jung und Alt gleichermassen zum Spielen und Verweilen animiert, wie die «Berner Zeitung» schreibt.

Lebensqualität für alle 

Vorbild für die im Buch geschilderten Erfahrungen war die oberösterreichische Gemeinde Steinbach an der Steyr. Nach einem wirtschaftlichen und sozialen Kollaps gelang es dem 1986 gewählten Bürgermeister Karl Sieghartsleiter bei den frustrierten Einheimischen neue Hoffnung für eine werteorientierte Dorfentwicklung zu wecken. Sie führte dazu, dass aus den Trümmern des Dorfes eine lebendige Dorfgemeinschaft entstand. Steinbach wurde 1994 mit dem europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet. Der vom christlichen Glauben inspirierte Bürgermeister sagt im Rückblick: «Werteorientierte Ortsentwicklung ist kein Luxusprojekt für Idealisten, sondern der optimale Einsatz von menschlichen und finanziellen Ressourcen zur Erreichung einer besseren Lebensqualität für alle.» Auch Mark Eberli hat als Stadtpräsident von Bülach das Konzept von Steinbach schätzen gelernt. Ein zentraler Wert davon ist für ihn «Partizipation»: Betroffene sollen zu Beteiligten werden. Er entwickelte Stadtateliers und Stadtwerkstätten oder Online-Befragungen, wo die Leute abgeholt und ihre Meinungen aufgenommen werden.

Hanspeter Schmutz hat Steinbach mehrere Male besucht – zusammen mit weiteren Interessierten aus der Schweiz. Er hat den «Steinbacher Weg» im Praxisbuch in Form von sieben Strategien auf Schweizer Verhältnisse übertragen und mit Schweizer Beispielen nachvollziehbar gemacht. 2002 gründete er das Schweizer Netzwerk für werteorientierte Dorf-, Regional- und Stadtentwicklung (WDRS). «Die in diesem Buch vorgestellten sieben Strategien entsprechen der allgemein anerkannten ‚best practice‘ der Ortsentwicklung, die Werte werden nachvollziehbar begründet», würdigt 
Professor Reto Steiner als Direktor der ZHAW School of Management and Law in Winterthur das Buch. 

Initiative aus der Bevölkerung und die Rolle der Kirchen 

In allen Fällen ist es immer die Bevölkerung – oder zumindest ein Teil davon –, die den Zustand des Dorfes, der Region oder des Stadtquartiers bewusst wahrnimmt und eine Entwicklung zum Besseren einleiten will. Deshalb steht die Bevölkerung in der Überschrift des Buches. Das sind Menschen, die sich bewusst oder unbewusst auf gemeinsame Werte besinnen und entsprechend handeln wollen. 

Dann kommen – für manche vielleicht überraschend –  die Kirchen ins Spiel. «Es gibt wichtige Gründe, warum ich der Kirche nicht nur einen Teil des Titels, sondern sogar einen Teil dieses Buches gewidmet habe», erläutert Hanspeter Schmutz. So hat er die Früchte einer werteorientierten Ortsentwicklung erstmals in Steinbach an der Steyr gesehen. Er traf dort auf Menschen, die, von den Werten ihres Glaubens geprägt, ihr Dorf mitten in der Hoffnungslosigkeit neu aufgebaut haben. Zudem zeigt ein Blick in die Geschichte der westlichen Kultur, dass das Christentum mit seiner Weltanschauung und seinen Werten die Gesellschaft nachhaltig geprägt hat. 

Wenn die Bevölkerung das Dorf entdeckt, Hanspeter Schmutz, ISBN 978-3-85570-158-2, Berchtold Haller Verlag, 245 Seiten, ca. CHF 21.60

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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