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Ein Gedicht geht als Lied um die Welt

 

Es ist eines der bekanntesten christlichen Lieder überhaupt. Entstanden ist es unter extremen Bedingungen in dunkelster Nacht: Kurz vor Jahreswechsel und dem Ende des Krieges schrieb Dietrich Bonhoeffer vor 80 Jahren das Gedicht «Von guten Mächten» aus einem Gestapo-Gefängnis in Berlin an seine Verlobte Maria von Wedemeyer. Er fügte dem Brief «ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen», als Weihnachtsgruss an. Das Gedicht wurde vielfach vertont und fand Einzug in die Kirchengesangbücher. Das Lied hat nichts an Aktualität eingebüsst – es macht Mut in schwerer Zeit.

 
 

Es gibt Momente, die man nicht beschreiben kann. Doch hier wurde alles gesagt. Das Gedicht «Von guten Mächten» ist ein Vermächtnis, das die Weltchristenheit dankbar aufgenommen und bewahrt hat. Es ist Bonhoeffers letzter erhaltener theologischer Text vor seiner Hinrichtung. Das Gedicht bezog sich auch auf seine eigene Situation – er wurde gefoltert und musste mit der Hinrichtung rechnen – und die seiner Familie vor dem unausgesprochenen Hintergrund der NS-Herrschaft und des Krieges. Sein Bruder Klaus sowie die Schwäger Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher waren inhaftiert. Sein Bruder Walter war gefallen, seine Zwillingsschwester Sabine war mit ihrem jüdischen Mann Gerhard Leibholz ins Ausland gegangen. Die 20-jährige Maria von Wedemeyer und der 18 Jahre ältere Bonhoeffer hatten sich drei Monate zuvor verlobt. Seine Verlobungsbeziehung bestand praktisch nur im sporadischen und zensierten Briefkontakt. Im Begleitbrief schreibt Bonhoeffer: «Es sind nun fast zwei Jahre, dass wir aufeinander warten, liebste Maria.» Dietrich Bonhoeffer war als prominenter Regimegegner seit dem 5. April 1943 in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert. Seine Aufzeichnungen in der Haft zeigen eine neue Dimension seines theologischen Denkens. 

Gedicht wird zum bekannten Lied
Die Zeilen sind weltberühmt: «Von guten Mächten wunderbar geborgen / erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, / und ganz gewiss an jedem neuen Tag.» Das Gedicht wurde vielfacht vertont. Inzwischen haben mehr als 70 Komponisten den Text vertont. Eine der bekanntesten Melodien zum Gedicht schuf der deutsche Liedermacher Siegfried Fietz 1970. Auf YouTube hat seine Version von 2012 über elf Millionen Aufrufe. Die Version gibt es auf YouTube auch mit Untertiteln. Mit der Melodie von Otto Abel von 1959 wurde das Lied unter der Nummer 65 in den Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen, in manchen Regionalausgaben ist es auch mit der Melodie von Fietz angegeben. Auch in das katholische Gesangbuch Gotteslob wurde das Lied mit der Melodie von Kurt Grahl als Nummer 430 aufgenommen, in einige Diözesanteile zusätzlich mit der Fietz-Melodie. In freikirchlichen Gesangbüchern ist das Lied mit der Melodie von Siegfried Fietz aufgenommen, so im Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche von 2002 unter der Nummer 99. Im Zuge der Überarbeitung des Evangelischen Gesangbuches führte die Evangelische Kirche Deutschlands 2021 die Umfrage «Schick uns dein Lied» durch, an der 10’000 Menschen teilnahmen. Das Lied «Von guten Mächten wunderbar umgeben» wurde vor den Liedern «Geh aus, mein Herz, und suche Freud» und «Grosser Gott wir loben dich» zum beliebtesten Kirchenlied gewählt.

Gedicht in Zeit höchster Einsamkeit
Obwohl Bonhoeffer sein siebenstrophiges Gedicht als Weihnachtsgruss bezeichnete, nimmt der Text keinen Bezug auf die Geburt von Jesus. Der Text verweist auf eine Hoffnung auf Gott in einer Zeit schwerster Not: «Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern / aus Deiner guten und geliebten Hand.» 1906 in Breslau geboren, entwickelt sich Bonhoeffer mit Anfang 20 zum theologischen Überflieger. Er kritisiert das nationalsozialistische Regime von Anfang an für dessen Rassenpolitik, wird Mitglied der Bekennenden Kirche, die sich gegen die Hitler-treuen Deutschen Christen wendet. 1939 gibt es die Chance zur Emigration und damit zur Rettung seines Lebens: Schon in den USA angekommen, entscheidet er sich jedoch gegen eine Pfarrstelle in New York und reist zurück nach Deutschland, schreibt das «ZDF». Mit der Machtergreifung Hitlers stand Bonhoeffer sofort in der kirchlichen Opposition. In einem Radiobeitrag forderte er eine Begrenzung der Macht Hitlers. Das Mikrofon wurde ihm abgedreht. Als er in der Evangelischen Kirche wenig Unterstützung fand, gründete er mit Martin Niemöller und anderen den Pfarrernotbund zum Schutz der bedrohten Amtsbrüder jüdischer Herkunft. Bonhoeffer bekam Lehr-, 1940 sogar Redeverbot. Am 5. April 1943 wurde Bonhoeffer wegen seiner Kontakte zu NS-Gegnern des Hoch- und Landesverrats beschuldigt. Er wurde ins KZ Buchenwald und schließlich ins KZ Flossenbürg gebracht. Dort wurde er am 9. April 1945 hingerichtet. Bonhoeffer hatte in seiner Theologie stets die Gegenwart von Jesus Christus in der weltweiten Gemeinschaft der Christen betont. Ausserdem war ihm die Bedeutung der Bergpredigt und Nachfolge Jesu und die Übereinstimmung von Glauben und Handeln wichtig. Dietrich Bonhoeffer – dieser Name steht für Zivilcourage, politischen Widerstand und gelebtes Christsein.

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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