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Der Pfarrer und die grössten Lausbuben

 

Ein Schweizer Kinderbuchklassiker wird 70 Jahre alt: 1955 setzte der Berner Pfarrer Klaus Schädelin mit «Mein Name ist Eugen» völlig neue Massstäbe in der Jugendbuchliteratur. Auch nach so vielen Jahren sind die Streiche von Eugen und seinen Freunden Eduard, Bäschteli und Wrigley immer noch so lustig wie eh und je. Pünktlich zum Geburtstag von Eugen und zum 70-Jahr-Jubiläum der Erstausgabe erscheint das Buch jetzt in einer Sonderausgabe mit farbigen Illustrationen. 

 
 

Es gibt Bücher, die kann man lesen und wieder lesen und sind beim zwanzigsten Mal noch lustig. Dazu gehört «Mein Name ist Eugen» vom Berner Pfarrer und Politiker Klaus Schädelin. Die Lausbuben Eugen, Wrigley, Eduard, Bäschteli und ihre Streiche haben so manche Jugend in der Schweiz bereichert. Die turbulente Geschichte der vier Berner Bengel Ende der 1940er-Jahre, die kreuz und quer durch die Schweiz reisen, um Fritzli Bühler, den «König der Lausbuben» zu finden, wurde zum Klassiker. Wenn die vier Jungs andächtig Hühnermist zwischen den Fingern zerreiben, um ein aufgepicktes Velokugellager wiederzufinden wünscht man sich, man wäre selbst ein Berner Lausbub vergangener Zeiten. «Ich bekenne, dass ich dieses Buch schon mehrfach mit Genuss gelesen habe, sagt Andrea Kauer Loens, Direktorin des Rätischen und des historischen Museums Graubündens in der «Südostschweiz». Und die «Weltwoche» schreibt: «Bei ‘Mein Name ist Eugen’ handelte es sich um eine völlig neue Art Jugendbuch: rotzfrech, aufmüpfig und scharfsichtig die Schwächen von Eltern und Pädagogen durchschauend». 

Buch wurde 1955 zerrissen
Klaus Schädelin schrieb die Abenteuer der Lausbuben aus Ärger über die damalige Flut von moraltriefenden Jugendbüchern. Das brachte ihm selbst erheblichen Ärger ein: Die Schweizerische Lehrerzeitung reagierte damals mit einer vernichtenden Kritik: «An der Grenze zu Schund und Kitsch». Pädagogisch wertvolle Bücher erhielten in der Lehrerzeitung einen Stern, alle anderen ein Kreuz. Klaus Schädelins «Eugen» kassierte gleich drei Kreuze. Die Kommission für Jugendfragen des Kantons Zürich liess den Autor am 4. Jänner 1957 in einem Schreiben wissen: «Wir begrüssen Bücher mit Humor. In Mein Name ist Eugen ist aber zu unterscheiden ­zwischen wirklichem Humor und blosser, manchmal geschmackloser Situations­komik.» Dafür gab ihm Karl Barth eine schöne Rückmeldung: Der renommierte Theologieprofessor in Basel, bei dem Schädelin studiert hatte, gratuliert ihm begeistert zu seinem Eugen. Die Kennzahlen des Jugendbuches sind imposant: In den 70 Jahren wurden 34 Auflagen gedruckt und insgesamt mehr als 250’000 Bücher abgesetzt. Die Geschichte wurde 2005 als Film und 2016 als Musical nacherzählt.

Erste Karriere als Pfarrer
Pfarrer Klaus Schädelin (1918–1987) wuchs im Elternhaus an der Herrengasse in Bern auf. Sein Vater Albert Schädelin war Theologieprofessor und Pfarrer am Berner Münster. Die Matura – so bekannte er später – habe er nur bestanden, weil sich die Lehrer beim Addieren geirrt hätten. Klaus Schädelin studierte dann Theologie und wurde als Vikar in Attiswil (Kanton Bern) vom Kirchenpräsident gerügt: «Er meinte, ich laufe zu schnell zur Kanzel. Er forderte mich ultimativ auf, in der Kirche nicht zu laufen, sondern zu schreiten. Ein Pfarrer müsse Ernsthaftigkeit ausstrahlen, denn die frohe Botschaft sei unsagbar ernst. Gott lache nicht!» Klaus Schädelin lachte, als er das im «Radio Förderband» erzählte. Als Pfarrer wirkte er drei Jahre in Hünibach am Thunersee und danach neun Jahre in Bern an der Petruskirche. Er hat im Pfarramt viel unter Depressionen und unter dem Gefühl gelitten, nicht genügen zu können. Dafür war er glücklich verheiratet und wurde Vater von drei Kindern. Über seine Frau Hulda, eine Sattlerstochter (geb. Balmer), sagte er im «Radio Förderband»: «Sie hat unser grosses Pfarrhaus zu einem offenen Haus gemacht. Alte und Junge trafen sich hier. Intellektuelle und Obdachsuchende. Es gab Zeiten, da war oft so viel los, dass wir beide uns in eine Beiz setzen mussten, um eigene Dinge ruhig besprechen zu können.» 

Ein Schundautor auf dem Amtssessel?
1958 geschah Wunderliches in der beschaulichen Stadt Bern: Bei einer Ersatzwahl in die Stadtberner Exekutive wählten die stimmberechtigten Männer nicht den Favoriten des rechtsbürgerlichen Lagers, sondern völlig überraschend den politischen Nobody Klaus Schädelin. Er wurde von der neu gegründeten Partei «Das junge Bern» (seit 1997 Grüne Freie Liste) portiert. Der drei Jahre zuvor erschienene Bestseller «Mein Name ist Eugen» half ihm zwar zu gewisser Berühmtheit, doch wurde seinem Buch von Seiten der pädagogischen Gilde das Prädikat Schund und Kitsch verliehen. Nun wurde ausgerechnet dieser Autor zum Fürsorgedirektor und damit auch zum Zuständigen für gefährdete und gefährliche Jugendliche und deren institutionelle Behandlung (Ressorts Gesundheit und Fürsorge). Daneben sass er acht Jahre lang auch im Grossrat (Kantonsparlament). Er kannte jeden und jede, war überaus populär und wurde immer wieder auf seinen «Eugen» angesprochen. 

Früher Rückzug
Ein Herzinfarkt zwang Schädelin 1973 mit 55 in die von ihm als herrlich empfundene Frühpension. Klaus Schädelin verstarb 1987 im Alter von 69 Jahren. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: «Was nun das Sterben betrifft, darf ich Euch sehr beruhigen. Ich habe eine lange Trainingszeit hinter mir. Und ich weiss nicht so recht, ist es meine alte Leichtfertigkeit oder eine besondere Gabe, dass mir der Gang in den Tod nicht eine Spur von Angst einflösst. (…) Wenn ich mich heute nicht geborgen sähe in Gottes kaum verstehbarem Liebhaben, so litte ich jetzt wahrscheinlich sehr stark unter allem, was ich ungezählten Menschen angetan habe. (…) Meine Bitte ist ebenso kindlich wie ernst: Gället, zürnet mir nüt. Nachdem ich Gottes Barmherzigkeit gewiss geworden bin, darf ich auch mit Eurer Nachsicht rechnen. (…) Mein Leben war samt seinen mannigfachen Ängsten ein lange dauerndes Fest, das mich dankbar abtreten lässt.» Über das Sterben sagte er: «Euer Sterben ist etwas, das ihr nicht erleben werdet. Es hat noch nie ­einer sein Sterben erlebt. Erleben können wir selbst nur unser Leben. Wenn ihr sterbt, ist mir um euch nicht Angst, weil ich weiss: Gott kennt euren Namen.»

Klaus Schädelin, Mein Name ist Eugen, Sonderausgabe, 255 Seiten, Hardcover, farbig illustriert, ISBN 978-3-290-18708-8, CHF 25.00

Herzlich, Markus Baumgartner

 
 
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