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«Jesus würde heute Filme machen»Am letzten Sonntag ging das 21. Zurich Film Festival (ZFF) zu Ende. Mit einem sorgfältig kuratierten internationalen Filmprogramm mit über 100 Filmen und zahlreichen Events ist das ZFF zum zweitgrössten Filmfestival im deutschsprachigen Raum mit 135’000 Besucherinnen und Besuchern gewachsen. Festival-Director Christian Jungen ist seit diesem Jahr nicht nur Mitbesitzer des ZFF, der Filmwissenschaftler macht auch kein Geheimnis aus seinem christlichen Glauben: «Kirchen sind für mich Oasen der Ruhe, der Reflexion. Aber oft sind sie so leer.»Jahr für Jahr bringt das ZFF Weltstars nach Zürich. In den letzten Jahren waren Schauspielerinnen und Schauspieler wie Pamela Anderson, Johnny Depp, Richard Gere oder Kate Winslet zu Gast. Anfangs hagelte es Verrisse. Die Zürcher Politik wollte nichts mit dem ZFF zu tun haben. Nach 20 Jahren spielt das ZFF in der Topliga der Filmfestivals. Das Filmgeschäft ist ein »People’s Business« – persönliche Beziehungen sind entscheidend. Der künstlerische Direktor Christian Jungen ist daher über drei Monate pro Jahr im Jahr im Ausland unterwegs. Er sieht sich jedes Jahr hunderte von Filmen an. Und er bezeichnet sich als gläubigen Christen. Verträgt sich das mit dem Glitzer und Glamour der Filmwelt? «Das ist kein Gegensatz. Das Kino kommt von den Jahrmärkten. Man musste immer die Aufmerksamkeit wecken, um die Leute ins Kino zu locken. Genauso sollten die Kirche und die Gläubigen auf den Glauben aufmerksam machen. Das Beste ist es, einfach ein authentisches Vorbild zu sein. Das finde ich überzeugender als blosses Predigen», sagte er zum «goMagazin». Wieso macht der christliche Glaube Sinn? «Das Leben ist einfacher, wenn man einen Glauben hat. Natürlich kann auch ein Humanist einen Wertekanon entwickeln. Doch ohne Hoffnung auf das ewige Leben wird es irgendwann trist.» Er bedauert, dass der Glaube plötzlich Privatsache geworden und ziemlich mit Scham behaftet ist: «Trotzdem spielt er eine grosse Rolle im Alltag der Menschen.» Wie würde sich Jesus heute mitteilen? Jesus möchte die Leute emotional ansprechen, erklärt Christian Jungen: «Kirchen nutzen alle Kunstformen: Zuerst das Wort, die Schriftlichkeit, denn ‘am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott’. Natürlich nutzen Kirchen auch die Kunst: Biblische Geschichten werden illustriert, unterdessen auch in reformierten Kirchen. Ausserdem die Musik: Wir singen in der Kirche, es gibt Kirchenchöre und Orchester.» Aber was ist mit dem Film? Warum nutzt die Kirche das bewegte Bild nicht? «Es spielt heute im Leben der Menschen eine überragende Rolle. Jugendliche verbringen bis zu sechs Stunden pro Tag auf Tiktok, Instagram und YouTube. Warum sind die Kirchen dort nicht stärker präsent?» Er fragt weiter: «Warum in einer Predigt nicht einmal Bezug auf einen Film nehmen? Die Leute dort abholen, wo sie stehen. Das hat für mich nichts mit Anbiederung zu tun. Sondern mit Nähe zu den Menschen und ihren alltäglichen Themen.» Schon als Teenager im Kino Filmtipps des Direktors Herzlich, Markus Baumgartner P.S. Eine aufmerksame Leserin des «Dienstagsmails» hat mir geschrieben, dass es auch eine reizende Weihnachtsgeschichte von Agathe Christie gibt. Wer sie gerne möchte, kann mir das mit Retourmail mitteilen. |
